Montag, 13. September 2010

Wir sind Bachelor

Endlich ist es geschafft!! Das Bachelor-Monster ist besiegt!!! Bezwungen und eingesperrt im Einband!! JUHUUU Seit zwei Wochen weile ich wieder in Freiheit. "Entwicklung einer internationalen Marktingkonzeption für Hochschulen am Beispiel der Hochschule Mittweida" hieß meine Liebe des Sommers!! Und elf Wochen in Mittweida - alter Falter... Da kann man doch neidisch werden!

Jetzt kann es also losgehen!! Die Frage ist nur womit… Achja, Cosmo :-) Seit letzter Woche ist Mittweida wieder am Leben – die Austauschstudenten sind da. Und mit dabei natürlich der Cosmo Club :-) YEAH! Zwei Wochen Deutsch lernen, durch die Landen reisen und Spaß haben. So könnte es mir gefallen =) Zeit haben wir ja jetzt – schließlich fängt der Master erst in zwei Wochen an.

Jaha, jetzt Bachelor of Breadless Arts und angehender Master of Desaster – perfekt nicht wahr? Naja mal sehen was uns das Studium in (ACHTUNG!!) "Information and Communication Science" bringt. Nennen wir es doch Kommunikationswissenschaften :D Mal sehen, was der Rest des Jahres noch bringt und was bis Ende des Semesters noch los geht. Ich glaube ich bin selber so gespannt wie alle anderen.

Bestandteil dieses Semesters natürlich: Cosmopolitan Club. Und meine Arbeit über unsere Arbeit :D Mehr dazu später mal.

Der Sommersprachkurs läuft und wir Cosmopolitaner haben unsere Arbeit mal wieder großartig geleistet – würd ich jetzt mal so sagen. Gestern wurde Geburtstag gefeiert und halb zwölf stand die Polizei vor der Tür… Ahh… Ich würde sagen die Party war gelungen, wenn sie so weit zu hören war :P Ich hab das Gefühl unsere Schäfchen sind schon viel länger da als Donnerstag. Es gibt auch wieder Gäste aus Chile. Und Finnland!! Woohoo! Naja, über meine Finnischkenntnisse reden wir später mal :D Spanisch klappt aber noch, wenn auch holprig.


Ende vom Lied: Ich wollte nur sagen: Ja, ich bin noch am Leben, wenn auch gerade leicht demoliert. Habe mir am Wochenende im Bergwerk eine Erkältung eingeholt. Und die kurier ich mit Hühnersuppe, Erkältungstee und im Bett rumlungern aus. In der Hoffnung, dass ich am Wochenende wieder fit bin. Dann geht es auf nach Berlin! Juppi! How I like it.

Also wir lesen uns dann hoffentlich wenn es endlich mal wieder wirklich was Neues zu berichten gibt.

Nos vemos, Maria

Samstag, 7. August 2010

Der ganz normale Wahnsinn

Mitten im BA-Schreiben wieder ein Lebenszeichen. Ja, es gibt mich noch und ja, es gibt auch diesen Blog noch. Ich will meine lieben Leser nicht ganz enttäuschen, wo ich so viel Lob erhalten habe. Dafür übrigens ganz lieben Dank mal am Rande! Ich hoffe, dem kann ich auch weiterhin gerecht werden.

Werte Leserschaft, bitte verzeiht mir aber, dass meine Motivation in die Tasten zu hauen, etwas im Keller ist. Den ganzen Tag Bachelorarbeit schreiben reicht im Moment. Das führt auch dazu, dass es einfach nix zu erzählen gibt. Oder wie spannend wäre es zu lesen: "Ah, diese Woche war so erlebnisreich: Letztens habe ich zehn Seiten gelesen ohne einzuschlafen, am Donnerstag fünf Seiten geschrieben, ohne zwischendrin ins Internet zu gehen und gestern war ein Tag, an dem ich keine Neuigkeiten von "SMS von gestern Nacht" gehört. habe"

Außerordentlich interessant, nicht wahr? Und gelogen wäre es noch dazu.

Am Stück lesen... Meine beiden Kommilitonen, mit denen ich zusammen in einem Raum sitze, wissen ganz genau, wenn ich wieder einen Versuch gestartet habe, denn dann hört man nichts mehr – kein Blättern, kein Kritzeln, kein Tippen. Klarer Fall: Maria schläft, mal wieder. (Ich bin eh überzeugt, dass ich die Schlafkrankheit habe.)
Sich auf eine Sache für länger als eine halbe Stunde zu konzentrieren, das kann ich durchaus. Aber meistens bin ich überzeugt, dass seit dem letzten Surfen (fünf Minuten her) mit Sicherheit neue Mails oder Nachrichten im Netzwerk eingeflattert sind. Und hab ich mich dann zehn Minuten durch leere Postfächer und Netzwerke ohne Neuigkeiten gesurft bin ich überzeugt, dass jetzt doch bestimmt in einer Inbox was Neues ist. Mit Sicherheit...
Und diese Woche haben die beiden Jungs "SMS von gestern Nacht" für sich entdeckt. Großartig!!! Halbstündige Ablenkung mit Lachfaktor hoch vier!! Manchmal fragt man sich doch echt... Alter Falter... Der ganze normale Wahnsinn des BA-Schreibens, wie man sieht.

Der nicht-alltägliche Wahnsinn hat mich am Montag eingeholt, als nach dem Mittag mein Rechner nicht wieder hochgefahren ist. Ja... Ganz genau... Laptop im A...! Volltreffer. Aber keine Sorge, Maria lässt nichts Anbrennen, die hat drei aktuelle Sicherheitskopien ihrer BA :D Sogar einen USB mit in den Wochenendurlaub genommen, nur für den Fall, dass das Wohnheim niederbrennt. Mittlerweile tippe ich übrigens schon vom neuen Notebook!

Aber es is ja bald vorbei. Unser Countdown hat diese Woche die furchterregende 30 unterschritten! Ahhh! Aber, wenn das Thema Spaß macht, passt doch alles. Und wenn man während des Schreibens das Gefühl hat, dass der Berufswunsch der richtige ist, dann doch umso mehr.

Okay, lasst uns dem Fakt ins Auge blicken: Es gibt einfach nichts zu berichten. Doch eins noch: Ich bin schon geschlagene zwei Monate wieder in Deutschland! Wird Zeit, dass es bald zurück geht. Aber dazu mehr, wenn meine BA abgegeben ist und ich Bachelor of (breadless) Arts bin!

Es verbleibt mit hochachtungsvollen Grüßen,
die Cosmo-Tante

Montag, 21. Juni 2010

Es geht weiter

Nun bin ich schon wieder fast zwei Wochen da und hab fast genauso lange nicht von mir hören lassen. Jedenfalls hier auf dem Blog – einige Nasen durfte ich ja schon wieder begrüßen :-)

Wahrscheinlich hat manch einer diesen Blog schon tot geglaubt, aber keine Sorge – nur weil ich nicht mehr in Chile bin, heißt es ja nicht, dass die Abenteuer zu Ende sind. Das nächste hieße da zum Beispiel "Bachelorarbeit", aber nein, keine Angst, darüber werde ich sicher nicht ausführlich berichten :-) Nur dass das Thema Internationales Hochschulmarketing mich jetzt bis August begleiten wird und ich das sogar sehr toll finde! Es geht nämlich auch um eines meiner liebsten Themen: Cosmo Club :D Dann dürfte es wohl auch kein Wunder sein, dass ich gern über den Kapiteln brüte, vor allem, wenn ich für den Praxisteil mit ehemaligen Austauschstudenten skypen "muss".

Das Stichwort ist ja auch schon gefallen: Cosmo Club, darum geht’s hier ja schließlich. Am letzten Freitag vor meiner Abreise fand endlich das heißersehnte erste Teamtreffen statt! Juppi!! Es war echt richtig cool, obwohl sich nicht alle kannten, war die Stimmung ziemlich lustig. Meinen Spaß hatte ich jedenfalls und Spanisch war auch kein Problem. Es gab ziemlich gute Vorschläge für die Website und interessante Fragen, als wir den Workshop für die Tutoren gemacht haben. Die Truppe fetzt :-) Muss ich sagen, dass es mir nach diesem Nachmittag noch ein bisschen schwerer viel, Good-Bye zu sagen? Leute, was hab ich geflennt, auf meinem vorerst letzten Heimweg von der Uni. Zum Glück war es dunkel :-/


Am Samstag haben wir Abschiedsgrillen am Fluss gemacht, wo wir uns einfach nur gnaaaadenlos überfuttert haben, weil’s manche Chilenen nicht so mit Kalkulieren von Portionen haben und nicht auf Leute hören, die es unter Umständen besser wissen könnten :D Naja… No comment, das Fleisch hat Sonntag auch noch geschmeckt. Und der Nachmittag war einfach nur... Toll? Wunderschön?? Großartig??? Unvergesslich???? Wir haben so viel gesungen, Spaß gehabt, gequatscht und es genossen...


Jedenfalls waren wir so voll und müde, dass wir unsere ursprüngliche Abendplanung dämlicherweise über den Haufen geworfen haben. Unser Plan war eigentlich zum Karaoke zu gehen, aber weil nicht nur ich, sondern auch alle andern, so kaputt waren, habe ich beschlossen einfach zu Hause was zu trinken. Bitte keine Kommentare über diesen Unfug, ich bereu es durchaus, keine Sorge. War aber auch hundemüde, bin auf meinem Stuhl eingeschlafen… Ich sollte mich mal auf die Schlafkrankheit untersuchen lassen (ohne Mist, die gibt es wirklich, wie ich erfahren habe).

Der Abschied, das muss ich wahrscheinlich eigentlich nicht erwähnen, war verdammt tränenreich. Vier Monate, die so dermaßen anders als das Leben hier waren, können ja nicht ohne Emotionen zu Ende gehen. Aber für was hat man schließlich Erinnerungen :-) Da ich in der Nacht vorher nicht geschlafen habe, war ich im Flugzeug wahrscheinlich durchaus ein Erlebnis. Durch mein verheultes Gesicht und meine permanenten Heulanfälle hat mich meine Sitznachbarin angesprochen, was passiert sei und als ich es erklärt hatte, bin ich Dauerschlaf gefallen, der nur dadurch unterbrochen wurde, dass Essen auf meinen Tisch gestellt wurde. Das habe ich nur in die Sitztasche gequetscht und bin wieder eingeschlafen (wer chilenische Kekse kosten möchte, die habe ich noch! Die Flüge bestanden irgendwie vollends aus Essen!!). Ich weiß nicht, was meine Sitznachbarn sich gedacht haben :D

Wieder angekommen, ist natürlich auch der Sommer mit mir hier. Sehr gnädig, nur fand ich es schon wieder zuuu warm. Ich geb mich durchaus mit 23 Grad zufrieden, mehr muss nicht. An dieses ganze Grün, das lange hell sein und dieses ständig wechselnde Wetter muss ich mich wirklich erst wieder gewöhnen. Und oh Gott, an das Essen erst… Mensaessen ist so dermaßen ein Strafe nach Chile… (Hoffentlich liest hier nie mal ein Mensamitarbeiter…) Die Kilo, die ich in Chile gelassen habe, sind damit sicher bald wieder drauf.

Und folgendes Foto dürfte auch eindeutig sein:


(Die BA tut ihr übriges dazu – als Nervenfutter ist eine Tüte davon gefälligst zu entschuldigen :D) Drei Mal Döner in der ersten Woche ist übrigens auch zu verbuchen, Kindergröße aber, und die schaff ich auch nicht mehr.

Ach so, meinen Schrecken über die Obstpreise muss ich nicht erwähnen, der war zu erwarten oder? Ich habe lächerliche VIER EURO für ein Kilo kernlose rote Weintrauben (aus Chile natürlich, ein bisschen fremd-patriotisch muss man ja auch sein, die aus Ägypten kommen mir nicht zwischen die Kauleisten) bezahlt. In Santiago habe ich drei Kilo für 70 Cent bekommen… Jaaa, ich weiß, ich bin nun halt nicht mehr da, aber darf ich mich trotzdem aufregen?? Lächerlich… Und der schlechte Euro macht es ja nicht besser. Und in Arica gibt’s schon gar keine mehr, durfte ich erfahren – fühlen wir uns also glücklich.

Wie gesagt, meine BA hilft schon gut über die Runden, wenn es darum geht, mich wieder einzugewöhnen. Und Cosmo Mittweida auch! Ich habe mich ja relativ schnell wieder in MW eingefunden, da der letzte Cosmo-Abend stattfand und ach, es war soooo toll, wieder "zu Hause" zu sein.


An meinem ersten Tag habe ich übrigens gnadenlos verschlafen… 13.34 Uhr bin ich aufgewacht, in Chile bin ich um diese Zeit, also 7.30 Uhr, immer aufgestanden – Jetlag lässt grüßen. Nachts konnte ich dafür dann nicht schlafen. Ja, ich geb’s auch zu, die zweite Zeitzone meiner Uhr läuft sechs Stunden hinter Deutschland…

So die Zeit und die Länge rufen zum Schließen. Diesen Eintrag möchte ich aber auch dazu nutzen, um nochmals zu sagen: Es geht weiter! Mit diesem Blog, mit Cosmo und mit Chile. Mehr dazu nächstes Mal, was hoffentlich im Laufe nächster Woche sein wird (hab ja jetzt Zeit, schreib ja "nur" Bachelorarbeit :D

Nos vemos,
die Maria, zurück vom nächsten großartigen Abenteuer

Montag, 7. Juni 2010

Chile, TE AMO

Das wären sie dann - meine letzten Stunden in Chile. Es ist morgens 2 Uhr und grad hab ich noch einen Augenblick, um mein kleines Liebesgeständnis zu veröffentlichen, das mir seit ein paar Tagen durch den Kopf geht.

Vier Monate im höchstentwickelten Land Südamerikas, vier Monate in der Sonne ... Ich werde dieses Flecken Erde so furchtbar vermissen, mir kullern schon fast wieder die Tränen... Aber JA, ich freue mich auch, wieder zu kommen, keine Sorge. Denn natürlich gibt es in einem anderen Land nicht immer nur Sachen, die man großartig findet...


Liebes Chile, danke für all diese Sachen, die ich so vermissen werde:

-Die Neugier der Leute Ausländern gegenüber. Ständig wird man angesprochen, wo man herkommt, wie lange man schon hier ist und was hier macht. Ich hab das Gefühl, dass die meisten Deutschen Ausländer eher meiden und ein bisschen Angst haben in Kontakt mit ihnen zu kommen. Die vielen Gespräche werde ich wirklich ein bisschen vermissen, ich hab sie wirklich immer genossen. Vor allem, wenn einen kleine Kulleraugen fragen, warum man keine braune Augen habe oder kleine Jungs einen ohne Hallo salopp von der Seite ansprechen, aus welchem Land man komme und dann aus dem Staunen nicht mehr rauskommen, dass man 24 Stunden reist bis dorthin... So süß!!!

-Deine wahnsinnig atemberaubende Natur. Ohne Worte!!!

-Die Fähigkeit für den Moment zu leben und sich heute nicht die Kopfschmerzen von morgen zu machen. Das ist bis zu einem gewissen Grad verdammt entspannend und wirklich etwas, worüber ich froh bin, mir das ein bisschen angeeignet zu haben. Nur übertreiben mit dem Sich-keine-Gedanken-machen sollte man dann auch nicht... ;-)

Irgendwie hat es auch durchaus was, das benutzte Toilettenpapier zusammen gefaltet in den Mülleimer zu werfen, anstatt es einfach fallen zu lassen. Aber ob ich das sooooo vermissen werde...? ;-)

Nun,was ich wirlich NICHT missen werde...

-An erster Stelle ganz sicher: Sich nicht auf den Boden unter den Füßen verlassen können. Wirklich, dafür liebe ich Deutschland. Zu wissen, dass es nicht jeden Moment anfangen könnte, zu wackeln, sondern einen sicheren Untergrund zu haben, zu jeder Tages- und Nachtzeit.

-Das furchtbare Hundegebell höre ich zwar fast gar nicht mehr, aber ganz ohne lebt es sich auch nett. Gleiches gilt für die ständigen Alarme der Autos, bei denen man sich nur ständig fragen kann, aus welchem Grund die eigentlich anspringen wenn sie nicht mal mit dem kleinen Finger angerührt wurden...

Nun, kurz und gut meine Gedanken über dieses letzte Land der Erde. Ich hoffe, ich bin ganzbald zurück!! Dienstagmittag habe ich wieder deutschen Boden unter den Füßen.

Wir sehen uns alsbald.

Die Cosmo-Tante, die mal wieder eines ihrer größten Abenteuer erleben durfte.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Capoeira

Ich würde es beschreiben als „Mein Körper lernt endlich wieder was ne Harke ist“. Seit zwei Wochen gehe ich zum Capoeira, etwas (wie einige vielleicht noch wissen) eine meiner Wünsche für Chile war! Vor zwei Wochen bin ich endlich gegangen, nachdem ich Gonzalo (Cosmopolitano) kennen gelernt habe, der schon fast zwei Jahre diesen Sport macht.

Für alle, die sich fragen, von was ich rede, hier ein Video

Dieses Video scheint nicht umsonst „Das beste Capoeira Video überhaupt“ zu heißen, denn ich finde es ziemlich passend, um kurz zu zeigen, was ich schon wieder anstelle down here in Chile. Zu Beginn das Instrument namens Berimbau, das alle Lieder durchzieht, dann die einfacheren Bewegungen, die ich auch schon gelernt habe, und zum Schluss den Kampf, den ich in der Roda auch schon live bewundert habe.

Für alle, die nach „fundiertem Wissen“ gieren: Capoeira in Wikipedia

Ich kann nur sagen, dass sich die Schmerzen wirklich lohnen. Capoeira macht verdammt viel Spaß, für mich eine Mischung zum Abschalten, Koordination trainieren und Körper fit halten. Und Koordination ist so eine Sache... Sieht alles ganz einfach aus beim Zuschauen, aber wie erwartet sieht das dann alles aus, sobald man nur einen Fuß setzen will...

Schmerzen, das kann ich euch sagen, die habe ich ganz furchtbar. Nach dem ersten Mal (dienstags) hatte ich Muskelkater bis Freitag. Drei Mal pro Woche ist das Training. Letzte Woche war ich komplett, in der ersten Woche wegen Iquique nur Dienstag. Letzten Samstag bin ich wirklich fast vergangen vor Schmerzen während des Trainings. Wie das Video zeigt, wird wirklich der gesamte Körper beansprucht und für so ein kleines chilenisches Faultier wie mich schlägt das Training dann natürlich doppelt zu Buche.

Aber die Bewegungen machen wirklich süchtig und die Leute sind alle ganz lieb zu mir blutigen Anfängerin, die dazu auch noch nicht alles versteht, was die Übungsleiter sagen. Hier kann ich übrigens anmerken, dass sich Capoeira eher gar nicht gelohnt hätte, denn dann hätte ich null verstanden.

In diesem Sinne genieße ich das letzte Mal heute ausgiebig, wer weiß, wann ich mich wieder den Schmerzen aussetzen kann :-)

Montag, 31. Mai 2010

Auf den letzten Metern

Zum Schluss wird ich noch ein bisschen faul, was meinen Blog angeht… Das mit den Fotos von meinem Trip nach Santiago hat ja auch wunderbar geklappt – mein Nichtstun ist wirklich langsam gruselig. Vielen Dank Chile… Das muss sich schnell wieder ändern, wenn ich zurück bin. Sollte ich dann noch ein bisschen mit der Mañana-Mentalität leben, möge man mir verzeihen, aber hier lebt es sich sehr entspannt, alles auf den nächsten Tag zu verschieben.

Diese Woche war weniger stressig, als ich das erwartet habe. Der Grund dafür gleicht eigentlich einer Katastrophe. Ich muss ja dringend noch an der Website arbeiten, zum Beispiel die französische Übersetzung hinzufügen, die fertig auf dem Schreibtisch liegt. Oder das Design abändern, und und und… Seit zwei Wochen ist die Kollegin nicht erreichbar, mit der ich die Seite bearbeite. Das Riesenproblem ist, dass innerhalb der Seite gewisse Bearbeitungen durch denjenigen, der die Seite erstellt hat (sie), gesperrt sind. Und diese Erlaubnisse können wiederrum auch nur von ihr geändert werden. Solange ich sie also nicht erreiche, sind mir die Hände gebunden und ich kann nichts anderes tun als im Kreis rennen und schreien.

Nach einer Woche erfahre ich auf Nachfrage, dass sie krank ist, nach zwei Wochen sagt man mir, dass sie gar nicht mehr für mich zuständig ist, sondern jemand Neues. DANKE für die nette Zuarbeit?! Und jetzt warte ich auf die Mail, dass meine Chefin den Menschen endlich kontaktet und mich und mein Projekt vorstellt. Wie lange sollte man gegen das System arbeiten, frage ich mich… Wahrscheinlich stehe ich Montag ohne Vorwarnung im Büro des netten Herrn. Also so leicht lasse ich mich nicht unterbuttern. Wäre ja gelacht. Ganz verschwunden ist meine deutsche Mentalität dann doch nicht.

Freitag Abend ging’s endlich mal wieder rund: Wir haben zusammen mit unseren spanischen Freunden zu einer Party eingeladen. Kleine Abschiedsparty für eine Spanierin, die morgen geht und für meine Wenigkeit, die eine Woche später den Flughafen von Arica von innen sieht. YEAH es war total cool!!!!Es waren Austauschstudenten und ein paar der Cosmopolitaner eingeladen. Sehr coole Sache. Hinterher sind wir noch mit Gonzalo, einem der Cosmopolitanos einen trinken gegangen.


Gleichzeitig durfte man die Party auch als Willkommensparty für Andreas sehen, unseren lieben Freund, der endlich in Chile ist. Das Trio infernale ist also mehr als perfekt! Seine Ankunft hat auch glücklicherweise meine Trübsal über meine baldige Abreise völlig weggeblasen. Das nenn ich doch mal was.


Gestern Nachmittag haben wir alle zusammen den Eurovision Songcontest angesehen und ich kann euch sagen, was das für ne Freude war!!!! Wäre hätte das je gdacht, dass Deutschland Europa noch mal so rockt!!!! Wir waren ja ohne Ausnahme für Islands Beitrag und hätten auch Frankreich gute Chancen eingeräumt. Aber dass Lena die Nationen so verzaubert…. Genial!!! Nächstes Jahr also bei uns. Wer kommt mit??

Heute waren Andreas, Nicklas und ich mit Elisabeth, ebenfalls Cosmopolitanerin ihres Zeichens zum Tag der offenen Museen. Geführt hat uns der Ausflug zum Naturschutzgebiet am Strand, wo uns die Mücken aufgefressen haben und ins Azapa Tal, wo wir mal wieder Mumien bestaunt haben. Hinterher noch ein bisschen Arica vom Morro aus bewundern und hinterher die Handwerksmärkte abklappern.


So sollte ein Wochenende sein. Aber wie das so ist – wenn es am Schönsten ist, nicht wahr…

Mehr gibt es von dieser Woche eigentlich nicht zu berichten. Hmh – doch, aber dazu im nächsten Beitrag mehr ;-)

Nos vemos muy pronto
Maria

Donnerstag, 20. Mai 2010

Das wunderschönste Fleckchen Erde

Zurück von meinem Trip nach Santiago kann ich immer noch nicht fassen, wie unglaublich schön die Tage waren. Zum Einen, weil ich einfach mal abschalten konnte und zum Anderen wegen der unglaublichen, atemberaubenden Natur. Chile ist einfach ein wahnsinnig traumhaftes Land - so unterschiedlich, so bezaubernd, so einfach "muss man selber sehen".


Die Woche - wie sollte es auch anders sein - verflog wie im Sauseschritt. Wir haben so viel gesehen:
-La Serena - eine Stadt, so zuckersüss und irgendwie italienisch, an handsome men hat es dort nicht gemangelt
-Valparaíso - eine Stadt mit Temperament und Charakter
-Santiago - eine Hautpstadt halt, die mich aber mit den krassen Unterschieden zwischen alten und neuen Gebäuden sehr an Frankfurt am Main erinnert hat

Zwischendrin Momente zum Atemanhalten oder Tagträumen, nur einen Tag werde ich in meinem Leben nie wieder vergessen.

Von La Serena aus haben wir das Valle del Elqui besucht (und viel über Mikroklimata gelernt, Weintrauben direkt vom Feld genascht und Sonne getankt). Dem Tal werden gewisse Energieströme nachgesagt, weil es auf einem Meridian liegt. Völlig egal, ob oder ob nicht. Aber als wir am Nachmittag wieder auf der Rückfahrt waren, ist mir bewusst geworden wie dermassen entspannt ich geworden bin. Und ich muss dann doch sagen, dass ich mich während meines gesamten Aufenthaltes in Chile nicht ein einziges Mal so wahnsinnig gut gefühlt habe - und wie hier oft zu lesen war gab es durchaus viele Momente, in denen es mir saugut ging. Wirklich, mir ist so egal, von welchen spirituellen Faxen die Leute reden. Ich kann nur sagen: Dieser Platz, dieses bezaubernde enge Tal mit einer Landschaft so atemberaubend schön und mit Sonnenschein, der die Lebensgeister Samba tanzen lässt (und wo übrigens auch der chilenische Schnaps "Pisco" seine Heimat hat - verdammt streng dieser Alkohol :D), dieser Platz hat es mir schlichtweg angetan und vielleicht werde ich eines Tages, wenn ich meine steile Karriere glücklich und zufrieden beendet habe (bitte N I C H T ernst nehmen :D), könnte es durchaus passieren, dass ich den vielen Europäern in das kleine Dörfchen ans Ende der Welt folge.


Soweit erst mal, mehr Bilder folgen noch! Zu viele aber aucht nicht, lassen wir den Neidfaktor mal im niedrigen Bereich :P

Bin gerade etwas mit Unlust behaftet und muss mal schauen, wie ich das heute noch loskriege. Morgen ist der 21. Mai, ein Feiertag in Chile, anlässlich der Seeschlacht in Iquique. Dort sind wir auch übers Wochenende!

Nos vemos.
Die Maria

Sonntag, 9. Mai 2010

Ausblicke, Rückblicke, Einblicke

Und schon wieder ist eine Woche vorbei, mein Gott die Zeit rennt. Schon Mai… Drei Monate sind doch wirklich ein Witz…

Meine Arbeit läuft gut. Bin mit dem Inhalt jetzt soweit fertig, jetzt fehlen noch kleinere Sachen, basteln noch mal am Layout, aber dann denke ich dürfte es das sein.

Jetzt ist aber erst mal Schluss mit Arbeiten (wenn ich das hier so nennen kann… Chile verändert den eigenen Arbeitsstil durchaus negativ …). Jetzt ist URLAUB bis übernächste Woche!!! Juhu, endlich seh ich das Land! Zumindest die Hälfte. Ab heute Nacht gehen wir auf große Reise nach Santiago. Und machen Halt in La Serena und Valparaíso. Ich freu mich schon riesig! Vor La Serena zum Beispiel, gibt es eine der drei Delfinkolonien der Welt, hab ich gelesen. Pinguine übrigens auch… (---Bitte HIER neidisch werden---) Die Fahrt nach La Serena dauert 23 Stunden… (Tüte Mitleid bitte!) Ja, in Deutschland kratzt man sich am Kopf, wenn man sich das vor Augen hält – man könnte ja fliegen. Ich kanns mir auch noch nicht vorstellen, die 14 Stunden Flug hier hier waren eigentlich genug. Nur irgendwie finde ich, dass so eine Erfahrung mit Hintern taub sitzen zu einem Land wie Chile dazu gehört. Jaja… Mag manch einer denken, was er will. Für mich zählen irgendwie andere Sachen zu einem interessanten Auslandsaufenthalt, als für andere… ;-)

Heute waren die Austauschstudenten im Azapa Tal mit dem Auslandsamt zum Ausflug. Leider nur die Austauschleute und die Ladies vom Auslandsamt. War zwar super lustig und war echt ein schöner Tag. Aber ein Ausflug nach echter Cosmo-Manier mit Austauschleuten UND einheimischen Studenten wäre schon cool gewesen. Gestern Abend waren wir mit einigen Leuten vom Cosmo Club zum Pianokonzert und hinterher noch was trinken. Sehr schicker Abend! Macht wieder mal Lust auf mehr. Cosmopolitaner wissen warum :-)


Ein weiteres Erstes Mal kann ich seit Mittwochabend übrigens auch abhaken. Diese „Erste Male“ sind durchaus nicht immer positiv, wie ihr gleich lesen werdet. Mittwochabend 22.45 Uhr wurde ich mal wieder daran erinnert, dass ich in einem seismologisch aktiven Land weile. Aber diesmal richtig… Es gab ein leichtes Erdbeben der Stärke 6,4 . Aber, keine Sorge, nichts passiert! Alles heil geblieben, wenn man mal von der Ordnung in meinem Zimmer absieht. Leute ich sage euch, ich will im Leben in keinem Erdbeben wie in Santiago im Februar (8,8) sein. Zu erfahren, dass man sich nicht mal auf den Boden unter den Füßen verlasen kann – das ist irgendwie ein Schlag ins Gesicht. Nun, unschön war das Geräusch meines Daches, das eh schon ständig Geräusche macht, wenn der Wind durchfährt (und windig ist es jeden Tag). Und diese Plötzlichkeit, mit der es gebebt hat, und einfach das Gefühl ansich... (Man kann es sich nicht wirklich vorstellen, aber eine ungefähre Verdeutlichung: Stellt ein Glas auf den Tisch (ein bisschen Wasser drin verdeutlicht das Ganze noch etwas mehr) und haut ordentlich gegen die Tischkante. SO fühlt es sich an.) Aber wie gesagt, alles heil geblieben und der Schreck ist auch schon wieder ein bisschen aus den Knochen gefahren!

Okay, ich muss mich beeilen, geht gleich zum Busbahnhof ...

..nos vemos!

Maria

Samstag, 1. Mai 2010

Raindrops keep falling

Gestern morgen wurde ich von einem Geräusch geweckt, das ich eigentlich nicht von hier kenne. Jedenfalls habe ich nicht erwartet, es je hier in der Wüste zu hören.

Es hat geregnet.

Hab ich vor Chile geschrieben, dass es in Arica schon mal fast 20 Jahre nicht geregnet hat? Nun ja, dieses Mal waren es nur fünf. Das letzte Mal hat es glaub ich 2005 wie aus Eimern geschüttet. Geschüttet hat es zwar nicht. Aber gut zwei bis drei Stunden schön vor sich hin genieselt.

Halb acht bin ich mit dem Geräusch aufgewacht und war sicher, dass es auch um acht noch regnen wird. Fototechnisch gesehen - ich wollte noch ein bisschen weuterschlafen ;-) Pustekuchen. Natürlich war um acht nix mehr zu hören und zu sehen. DANKE! So gibt es also leider kein Foto vom kühlen Nass, schade. Daher eine Impression aus Finnland, wo es Wasser in Hülle und Fülle gibt :-)


Carlos hat sich über den Regen ein bisschen besorgt gezeigt, weil so etwas noch nie vorgekommen sei. Ein bisschen Geplätscher am frühen Morgen... Klimawandel?

Wie dem auch sei, ein bisschen Wasser von oben und grün an den Bäumen vermisse ich schon etwas. Frühling ist schon eine schöne Erfindung :-)

Übrigens habe ich ab dem 10. Mai Urlaub bekommen und werde mit einer Bekannten aus Kanada einen Roadtrip nach Santiago starten :-) 2000km durchs Land!! Ich freue mich schon! Mehr dazu, sobald ich selber mehr weiß!

Liebe Grüße aus dem Herbst.

Maria

Freitag, 23. April 2010

WE DID IT

Mit ein bisschen Verspätung die gute Neuigkeiten von gestern: Die Präsentation war GROSSARTIG!!! Es war einfach genial, ohne Worte!

Und jetzt ist es vollbracht - der Cosmo Arica steht!

Der Saal war zwar nicht brechend voll, aber die Studenten, die da waren, waren genau die richtigen. Es waren sogar wichtige Personen der Uni da. Das macht einen schon derbe stolz :-) Nach der Präsentation haben wir noch einen kleinen Empfang gehabt und alle sind sofort ins Gespräch gekommen, es war wirklich herrlich und man konnte fühlen, dass DAS der Cosmo Club ist. Die Ideen sprudeln schon jetzt und mir scheint es, als habe diese Uni nur darauf gewartet, dass diese Idee präsentiert wird.

Ich bin echt SOOOOOOO glücklich. Denn meine Botschafter-Mission ist jetzt erfüllt :-) Theoretisch könnte ich jetzt guten Gewissens nach Hause gehen, nur ist es eigentlich umso trauriger, dass ich nicht mehr dabei sein werde, wenn es wirklich los geht. Das ist wirklich jammerschade. Ich mache auch kein Geheimnis daraus, dass ich schon länger überlege, wann ich wieder her kommen kann. Ich fühle mich so wohl, mir geht es gut und dieses Land ist einfach so wunderschön. Und im Kreis der Studenten, die gestern da waren habe ich mich sofort willkommen gefühlt. Das Ziel des Cosmopolitan Clubs „Fremde werden Freunde – Vertrauen schaffen und Heimat geben“ geht also auf.

Hier noch ein paar Impressionen von gestern:

Die stolzen Cosmopolitaner-Eltern :-)


Das Publikum


Ein Toast auf die Idee und das zukünftige Team


Bis gestern waren die Tage wirklich einfach nur Stress, wir mussten ja nicht nur die Präsentation vorbereiten, sondern auch die Website, die ich während meines Praktikums für das Akademische Auslandsamt erstelle, halbwegs anschaulich herrichten. Zauberwort: Nachtschichten. Das einzig gute daran ist, dass ich mich mittlerweile fast daran gewöhnt habe. Aber ich denke, damit dürfte jetzt Schluss sein. Was ich gestern Nachmittag und bis heute Mittag gemacht habe, dürfte leicht zu erraten sein... Mein Bett beehren. Selbst die kleine Erschütterung heute Nacht hat mich nicht weiter gekümmert, weil ich so müde war... (Und irgendwie könnte ich mich auch schon wieder lang machen...)

Schönes Wochenende und kosmopolitische Grüße vom anderen Ende der Welt!

Die Maria

Donnerstag, 22. April 2010

Rock da house!

Verehrte Leserschaft,

bei uns ist es mitten in der Nacht, aber für mich ist das sowieso die beste Zeit zum Arbeiten :-) Ich sitze gerade noch mit Carlos zusammen und wir feilen an der Präsentation für morgen... pardon: HEUTE.

Ich könnte fast sagen, dass ich für den heutigen Tag hier bin. Für die Präsentation des Cosmo Clubs an der chilenischen Partneruniversität in Arica. Heute ist es also so weit und wir sind wirklich verdammt gespannt, vor wie vielen Leuten wir sprechen werden. 10? 15? 50? In jedem Falle wird es interessant und ich freu mich drauf.

11.20 Uhr (17.20 Uhr MEZ) wird sich das Geheimnis lüften - das Geheimnis wie viele Leute sich hier überhaupt für unsere Idee interessieren.

Wir werden in jedem Fall das Haus rocken, denn WIR sind wahre Cosmopolitaner und wer könnte unsere Idee besser vermitteln als passionierte Weltenbürger wie wir :-)


Denkt an uns und wünscht uns Erfolg!

Maria

Montag, 19. April 2010

Sie nennen es "Tanzen" ...

... ich nenne es "Sex on the dancefloor".

Bei unserer Diskonacht am Samstag habe ich mal wieder aufpassen müssen, dass meine Kinnlade nicht auf den Boden knallt: Ich habe mal wieder nicht schlecht geschaut, was sich da vor meinen Augen abgespielt hat.

Disko in Chile ist noch extremer als in Deutschland: Wer sich bei uns aufregt, dass die Disko nicht mehr vor halb zwölf losgeht, war noch nicht hier! Wir sind gegen 0.45 Uhr in die Disko und sie war LEER!!! Den Schock könnt ihr euch vorstellen. Nach einem Bier war wenigstens die Bar voller und nach nochmal einer halben Stunde (gegen 1.45 Uhr) konnte man das auch von der Tanzfläche behaupten. Endlich das Tanzbein schwingen, wir konnten nämlich die ganze Zeit nicht mehr stillstehen.

Wir = Carlos, Evelien (Austauschstudentin aus Belgien), Marianne (eine Bekannte aus Kanada, die hier in Arica arbeitet) und ich haben uns auch sofort ins Getümmel gestürzt und abgehottet.

Unseren Tanzstil mit ein bisschen Hüfte schwingen kann man wirklich nur Abhotten nennen im Vergleich zu dem, was die Chilenen veranstalten. So was sieht man bei uns maximal in roten Milleus, was hier abgeht: Ohne Scherz, bei Reggeaton tanzen sie dermassen eng und lassziv, dass es ohne Klamotten Sex wäre. Carlos konnte über meinen schockierten Blick nur lachen :-)

Nicht, dass mir die Musik nicht gefiele - ehrlich gesagt liebe ich manche Lieder regelrecht und so wie ich hier tanze wird mich keiner in Deutschland zu Gesicht bekommen ;-) (Ich hätte selber auch nicht gedacht, dass ich je SO tanzen kann und werde :D) Aber es macht Spass einfach zu tanzen, ohne dass man kritisch beäugt wird, wie das in Deutschland oft der Fall ist. Klar schauen die Leute neugierig, weil sie sehen, dass man nicht von hier ist. Aber Tanzen ist hier einfach Tanzen und nicht Sich-Selbst-zur-Schau-Stellen. Anfragen zum Tanzen gab es von den Männern an uns drei Frauen übrigens zur Genüge, aber den Männern dann klar zu machen, dass man auch wirklich NUR tanzen will, ist eine andere Sache. Von daher hab ich stets abgelehnt...

Alle Diskos müssen hier spätestens 5 Uhr schliessen. Wir sind gegen 4.30 Uhr gegangen, weil es uns ein bisschen viel Reggeaton war. Vor der Tür hat mich ein Chilene angesprochen, ob ich Deutsche wäre. Er war letztes Jahr in Deutschland stationiert und hat sich tierisch gefreut Deutsch sprechen zu können :-) Ich war also schließlich im Bett, als in Deutschland so langsam zum Mittagstisch gebeten wurde :-) Sechs Stunden Zeitunterschied können echt skurrile Begebenheiten verursachen ...

Für ein bisschen Latinoflair in euren Zimmern hier eine Auswahl meiner Lieblinge:

Llamada de emergencia
Lady
Mata

An dieser Stelle sei angemerkt, dass es natürlich bessere Musik als Reggeaton gibt, wie Gumbia oder Salsa. Das dann beim nächsten Mal ;-)

Schöne Woche,
Maria

Samstag, 17. April 2010

Es kann losgehen

Meine Damen und Herren,

der Cosmopolitan Club Arica wächst und gedeiht - jedenfalls in unseren Köpfen - Carlos' und meinem! Die beste Idee bringt aber nichts, wenn sie keiner weiterträgt und unterstützt. Ein feines Grüppchen chilenischer Cosmopolitaner ("Cosmopolitanos") soll den Geist von Mittweida auch in Arica zum Leben erwecken.

Um unser Idee unter die Leute zu bringen haben wir für Donnerstag, den 22.April 11.20 Uhr (17.20 Uhr MEZ) zur Präsentation eingeladen. Dafür habe ich mich verdammt lange in Photoshop getummelt und lasst uns hoffen, dass dieses Plakat den Campus aufmischt!


Drückt uns die Daumen, dass sich die passenden Studenten einfinden! (Ich werde jedenfalls ein verdammt strenges Auge auf die Audienz werfen...)

Wir machen uns morgen (Samstagabend) zur Erstsemestrparty auf. Hier ist die ganze Woche "Semana Mechona" (eine Woche Party anlässlich des "Beginns" des Semesters). Wir (Carlos, sein Brunder und Cousin und meine Wenigkeit) werden unsere Hintern die Disko schwingen und ordentlich feiern. Wir sind ja nicht nur zum Arbeiten hier. Chilenische Fiestas... Leute ich sage euch: Disko in Deutschland ist Ringelrein dagegen...

Que tengan un buen fin de semana (Schönes Wochenende)!

María

Mittwoch, 14. April 2010

Completo und Co.

Nun, vor einiger Zeit wurde mir gesagt, ich solle mal mehr essen... (Mal ganz am Rande danke für das Kompliment :P) Den Kommentar nehme ich zum Anlass, um endlich mal die chilenischen "Spezialitäten" vorzustellen, von denen wir uns hier permanent ernähren. Denn zu wenig esse ich gewiss nicht und mit dem was wir essen, ist es fast unmöglich abzunehmen. Trotzdem haben sowohl Nicklas auch ich einiges abgenommen.

Darum hier eine kleine Galerie unseres Lieblings-Fast-Foods aus Chile!


Zunächst der heiß geliebte Completo, der immer und überall geht, egal an welcher Ecke und zu welcher Tageszeit! Das ist ein Hotdog mit Tomaten und allen Saucen, die die Chilenen ihr eigen nennen: Avocadocreme (Palta), Mayo und wahlweise Ketchup, Senf und scharfer Sauce. Ich mag ihn mit oder ohne Ketchup und je nach schlechtem Gewissen mit und ohne Mayo. Kostet mit rund 700 Peso (der große im Bild) gerade mal einen Euro und macht satt bis zum nächsten Mittag.

Weiter geht's mit Hamburguesa (ja, der heißt auch hier so!), den ich immer mit Hähnchenfleisch esse. Das Megateil im Bild ist Ave Americana, die Mischung schlechthin: Hähnchenfleisch mit Schinken (eher vergleichbar mit Leberkäse), Käse und ich glaube einem Spiegelei zwischendrin. Der Kalorienknaller Nummer eins, aber Probieren lohnt sich wenigstens des Geschmackserlebnisses wegen ;-) Geschafft hab ich diese enorme Portion natürlich nicht! Tue ich nie, wenn wir bei "Roly's" essen gehen, die einfach mal viel zu große Portionen servieren. Aber das ist ihr Markenzeichen und lecker ist es allemal. (Für den gesunden Hunger mag ich Ave Palta: Hähnchen mit Avocadocreme: lecker und ähm... vergleichbar gesund.)

Hier noch eine Impression der besonders "interessanten" Gaumenfreude: "Chorrillana" - Pommes (schön lecker vollgesaugt *yammi*...) mit Fleischstücken, gebratenen Wienern und gebratenen Zwiebeln. Alles schön eingemanscht mit unidentifizierbarer Sauce :-)

Die Frequenz von Pommes hat sich übrigens drastisch erhöht hier in Chile, zum einen, weil wir zu faul sind zum Kochen und zum Anderen, weil ich sie überall probiere bis ich eines Tages leckere esse. Sorry, aber Chilenen wissen nicht, was gute Fritten sind :P [Anmerkung: Carlos besteht darauf, den vorherigen Satz zu löschen, weil er mit seinem Brunder in Iquique immer gute Pommes isst...]Knusprig gibt's hier nicht. Allenfalls angesalzt und immer schön weich, um sie gleich schlucken zu können ...

Achso, bei Anflügen bei Heißhunger auf Süßes geht immer ein Stück Kuchen. Um mit einem "Stück" meinen die Chilenen eine Wagenladung zu einem Spotpreis von nicht mal einem Euro. Für ein Drittel lecker, aber einfach mal (wie alles hier) viel zu süß.

Na, tropft der Zahn?? (Ich freue mich trotzdem unheimlich auf Döner, wenn ich zurück komme :-)

Liebe Grüße aus Chile, nos vemos.

María

Sonntag, 11. April 2010

Unser Baby ist geboren

Donnerstag war ich über die Maße glücklich, erfreut und erleichtert! Denn es war die langersehnte Präsentation des Cosmopolitan Club in der Universität. Und anhand meiner Stimmung dürfte es ein Leichtes sein zu erraten wie es war: Genial!!! Einfach super, wirklich. Jede Minute Arbeit hat sich doppelt- und dreifach gelohnt!

Ohje, und gearbeitet haben Carlos und ich in den Tagen davor wirklich genug. Und das vorzugsweise nachts, weil Carlos mit seinem Studium schon genug an der Backe hat. So kommt es, dass ich Donnerstag Morgen wie ein Zombie nach drei Stunden aus dem Bett gekrochen bin… Wir hatten bis 5 Uhr morgens an der Präsentation gearbeitet. Und das, nachdem ich schon Mittwoch nur fünf Stunden geschlafen habe und völlig übermüdet war. (An dieser Stelle ein Hoch auf Abdeckcreme – man hat es mir nicht angesehen, wie viel Schlaf mir fehlt!)

Die Powerpoint war optisch wirklich ein Augenschmaus (nachdem Carlos noch mal viel Arbeit und ich viele Nerven reingesteckt haben)! Der Präsentation wohnten die Leiterin des Auslandsamtes sowie der Leiter des Europazentrums bei. Über den ersten Teil (die Definition eines „Cosmopolitan Club“ sowie die Erfahrungen aus Mittweida) habe ich gesprochen. AUF SPANISCH! Im ersten Moment fühlte sich das echt merkwürdig an, aber das war schnell vergessen und ich hab mich glaub ich gut geschlagen. Nachher konnte ich sowohl Carlos‘ Teil über die Konzeption des Cosmo Arica als auch der Diskussion der Beteiligten folgen und hätte mich, wenn ich gewollt hätte, ohne Probleme einklinken können.

Auf was ich wirklich riesig stolz bin: Carlos sagte mir, als wir zu Hause waren: „Maria, was ich dir noch sagen wollte: Dein Spanisch war wirklich sehr gut, ich habe nicht gewusst, dass es SO gut ist. Du hattest fast keine Probleme, außer mit den Artikeln.“ Muss ich erwähnen, wie stolz ich war und immer noch bin? Innerhalb von sieben Wochen ist mein Spanisch von null auf hundert geschossen. Ich bin wirklich sehr stolz auf mich. Was nicht heißt, dass ich mich in Eigenlob bade. Aber es ist ein Moment, in dem man sieht, dass es geht, wenn man will und man genauso weiter machen sollte, damit es noch besser wird.

Um zur Präsentation zurück zu kommen: Alle waren angetan, Pläne sind geschmiedet und ich bin der Meinung: Heute ist unser Baby, der Cosmopolitan Club Arica, tatsächlich geboren worden. Ab heute können wir wirklich arbeiten und auf die Unterstützung der Hochschule zählen. In zwei Wochen folgte die nächste Präsi vor interessierten Studenten. Wir wollen gar nicht hunderte, die kommen. Es reichen zehn, wenn es die richtigen Leute sind. Mittweidaer wissen, dass unser Cosmo nicht die ganze Hochschule zieht. Aber die, die dabei sind, sind ein einzigartig grandioses Grüppchen von Leuten, die denselben Geist haben.

Ich jedenfalls fühle mich unter Cosmopolitanern pudelwohl :-) Und ich glaube, völlig egal welches Land, mit Cosmopolitanern werde ich mich immer gut verstehen.

Lieber Cosmo ich liebe dich und herzlichen Glückwunsch zu deinem neuen Kind, dem Cosmopolitan Club Arica!

Die stolze Cosmo-Tante

Mittwoch, 7. April 2010

Un poco famosa

Letzten Freitag waren die Austauschstudenten zur Willkommensfeier des Direktors der Uni eingeladen. Mit dabei natürlich auch die lokalen Medien, die es sich nicht entgehen lassen wollten, ein paar Fremdlinge von Übersee zu interviewen. (Internationale Studenten scheinen sowohl in Mittweida als auch hier in Arica extrem interessant zu sein.)

Nun, sie haben sich auch fleissig umgehört und geknipst... Jedenfalls dürfte mich jetzt die halbe Leserschaft des Lokalblatts "Estrella de Arica" kennen. Wieso?

Darum:

Video mit Interviews

Printausgabe
(rechts bei "Ediciones" Samstag, 3.April auswählen, dann links zu Seite 27 blättern und suchen ;-))

Erfahren habe ich diese Neuigkeiten auch erst heute, weil mich jeder meiner Arbeitskollegen darauf angesprochen hat ... Tolle Sache, ich bin ein bisschen berühmt. Aber eigentlich soll das die Arbeit mit dem Cosmo werden, die ich mache, und nicht ich :D

Morgen (bzw. "heute" in Deutschland) ist die wichtige Versammlung zum Cosmopolitan Club Arica! 11.20 Uhr Ortszeit (17.20 Uhr in Deutschland). Drückt Carlos und mir die Daumen und glaubt an uns!

Back to work... Presentation und Co. für morgen fertigstellen.

María (in español mit Akzent!)

Mittwoch, 31. März 2010

Like ice in the sunshine

Seit gestern fühle ich mich wieder wohl mit der Arbeit. Ich bin wieder zufrieden und glücklich. So ein bisschen wie ein Eis in der Sonne, das vor lauter Wärme davon schmilzt. Einfach gut :-) Mein zweiter Monat hat begonnen und ich habe mir Besserung vorgenommen, was die Kontinuität der Arbeit angeht. Ich will keine voreiligen Schlüsse ziehen, nur weil mal zwei Tage gut gelaufen sind. Aber ich habe das Gefühl, dass diese beiden Tage ein guter Start waren.

Gestern habe ich den Inhalt für die Website zur Kontrolle an die Leiterin des Auslandsamts (sie heißt übrigens Señora Aguliera) geschickt. Am selben Abend hatte ich die Antwort im Kasten: „Muy bien, Maria!“ (Muss ich das wirklich übersetzen? ;-) Ich habe mich so gefreut und sofort Carlos unser erstes kleines Erfolgserlebnis mitgeteilt, das wir echt gut gebrauchen können nach den ersten schwierigen Wochen.

Den Inhalt habe ich heute sofort ins Radio gebracht, damit Gloria die Seite erstellen kann. Bis schon gespannt was rauskommt. Nächsten Donnerstag wird die Seite (bzw. der Prototyp) präsentiert :-)

Dann nämlich haben wir das Treffen mit International Office, American Corner und Europazentrum. Es ist im Kasten, es haben alle dem Termin zugestimmt!!! Wahnsinn, ich bin echt ein bisschen stolz, dass all diese Institutionen das erste Mal zusammen sitzen und ich diejenige bin, die es eingefädelt hat :-) Bei der Terminabstimmung wurde mein Spanisch übrigens mehrmals gelobt. Ich stell das einfach mal in den Raum – ob mein Spanisch wirklich so schnell besser wird, keine Ahnung. Denn Verständnisprobleme hab ich natürlich immer noch oft genug… Anyway, nächsten Donnerstag 8, April 11.20 Uhr ist THE date. (Ich bin jetzt schon am Sterben, wenn ich mir vorstelle, dass ICH, die erst seit Oktober Spanisch lernt, eine Versammlung leiten wird, der ausschließlich Muttersprachler beiwohnen…) Über Ostern werde ich aber eh nichts weiter machen als relaxen und Spanisch lernen. Die Themen des Treffens werden Cosmo Club und an zweiter Stelle die Website sein. Ich werde natürlich sofort berichten, wie es gelaufen ist!

Gestern Nachmittag war ich außerdem zur Konversationsstunde im Amercian Corner, wo Gonzalo (der Leiter) mich gebeten hat, meine Idee mit dem Cosmo Club unter die Leute zu bringen. Hab ich natürlich auch erfolgreich, keine Sorge – wenn ich einmal anfange mit Schwärmen ;-) Und die Leute waren wieder mal sehr angetan. Mal sehen, wer übrigbleibt, wenn es ans Eingemachte geht… Bin sehr zurückhaltend in meinen Erwartungen, freue mich dennoch auf die Präsentation, die ich abermals auf Spanisch halten werde. Ein bisschen sehr große Ziele, nicht wahr ;-) Aber wer keine Ziele hat, kann auch nichts erreichen. Wer mich als Leiterin des Cosmo in Mittweida „ertragen“ musste weiß, was wir erreicht haben mit viel Durchhaltevermögen und Ranklotzen. Mit STOLZ werde ich mein Cosmopolitaner-Botschafter T-Shirt tragen, liebe Cosmo-Freunde!! (An dieser Stelle nochmal danke für dieses Unikat :-)

Hochachtungsvoll vom andern Ende der Welt,
die Cosmo-Tante

Montag, 29. März 2010

Das erste Resümee

Nach dem ersten Monat im Praktikum wird es Zeit ein kurzes Fazit zu ziehen. Dabei erschreckt es mich, dass mir nur noch zwei Monate bleiben.

In den ersten vier Wochen war es ein bisschen turbulent muss ich sagen. Die erste Woche war zum Akklimatisieren und Eingewöhnen da. In der zweiten Woche haben sie Carlos in einem Restaurant seine Gürteltasche geklaut, als wir gerade Mittag essen waren. Die Tage danach waren so gut wie sinnlos, weil wir eigentlich nur unterwegs waren, um die Behörden abzuklappern. In der Woche danach hat es mich aus dem Rennen geworfen, weil ich ein bisschen krank war. Nichts Ernstes, aber mit der ständigen Hitze nicht gerade nett zu ertragen. So ist fast die Hälfte des Monats an uns vorbei gezogen, ohne dass wir wirklich etwas geschafft haben.

Während dessen habe ich mich an die chilenische Arbeitsweise heran getastet. Ich habe beobachtet und mich eingefügt. Und dieses Integrieren ist mir diese Woche auf die Füße gefallen. Ich war so unzufrieden mit mir und dem geringen Fortschritt der Arbeit, dass ich fast verrückt geworden bin. Ich habe gemerkt, dass es nicht gut war, meine deutsche Mentalität mal auszuschalten und mit zu schwimmen. Ja, ich habe es natürlich genossen, dass sich die Arbeit ein bisschen wie Urlaub anfühlt, weil es auch Erholung war. Aber damit ist jetzt Schluss und es wird wieder durchgestartet.

Am Freitag hatte ich endlich ein Treffen mit der Leiterin des Auslandsamt, was mich wieder positiv gestimmt hat. Endlich haben wir Deadlines für die Website. Ich hoffe das hilft mir und den Leuten, mit denen ich zusammen arbeite, endlich zu Potte zu kommen. Ein Drittel meiner Zeit ist schon rum und außer einem Großteil des Inhalts auf Englisch ist noch nichts zu sehen. Das ärgert mich, lehrt mich aber auch einiges: Manche Sachen doch lieber nicht aus der Hand zu geben, was auch heißt, dass man manche Leute vielleicht teils übergeht. Aber was ich selber mache, verantworte ich auch selber.

Ich habe so gut wie noch nichts über den Cosmo Club geschrieben. Das hatte seine Gründe, denn bis jetzt hat sich leider noch nichts getan. Was zum einen daran lag, dass die Austauschstudenten erst letzte Woche angereist sind. Was aber auch damit zu tun hat, dass ich einfach keine Ahnung habe/ hatte, wo man hier welche Stricke ziehen muss, um etwas zu erreichen. Es tut mir Leid, dass ich bis jetzt noch nichts erreicht habe, weil ich es auch als meine Verpflichtung ansehe, Mittweida in Arica würdig zu vertreten. Aber das Treffen mit der Leiterin hat auch für dieses Projekt Fortschritt gebracht. Wir haben jetzt endlich einen Termin, an dem sich das Auslandsamt, der American Corner, das Europäische Zentrum sowie Carlos und ich an einen Tisch setzen und Grundlegendes über den Cosmo Club besprechen werden. Übrigens ein Novum – bisher saßen all diese Leute noch nie an einem Tisch. Ich hoffe, hoffe, hoffe, dass dieses Treffen erfolgreich wird und fange jetzt schon in Gedanken an, meinen Text auf Spanisch zu üben. Für kurz danach setzen wir auch ein Treffen mit allen interessierten Studenten an. Die Unterstützung der Leiterin habe ich schon und ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht. Schließich ist dann bereits Mitte April und die Hälfte der Zeit herum.


Soweit der erste Statusbericht aus Chile. Danke für die Kommentare zum letzten Eintrag, die ich mir zu Herzen nehmen werde. Und natürlich auch danke für alle anderen Kommentare, die bisher gepostet wurden! Ich freue mich sehr, dass so fleißig gelesen wird :-)

Nos vemos!
Die Cosmo-Tante in Chile

Samstag, 27. März 2010

Ein bisschen arbeiten

Wie arbeitet man in Südamerika? Es ist anders. Nur wie anders? Kann ich mit dem Unterschied umgehen? Und wenn ja, ist es kompliziert? Um diese Fragen zu beantworten bin ich hier. Und ich muss sagen, der Schritt hat sich gelohnt. In den letzten Wochen kommt so langsam Licht ins Dunkel.

Es war mir von vornherein klar, dass ich das System vielleicht nicht mögen würde. Und ich kann nicht leugnen, dass ich derzeit ein bisschen zähneknirschend durch die Welt laufe. Die Menschen hier arbeiten wirklich dermaßen anders, dass ich gespannt bin, wie ich mich in diesem System entwickeln werde.


Vorab: Nein, ich beschwere mich nicht. Wirklich nicht. Es war mir vorher klar, auf was ich mich einlasse. Aber es ist echt ein bisschen kompliziert hier mit der deutschen Arbeitsweise im Rücken.

E-Mails schreiben bringt rein gar nichts. Vielleicht sind meine Mails nur zu lang, aber vielleicht haben die Leute hier ihr Postfach aber auch einfach nur als Dekoration. Aber man kann Stunden, Tage, Wochen warten, selbst wenn man sagt es sei dringend. Die Moral von der Geschicht: Die Leute anrufen oder persönlich vorbei gehen. Das hab ich diese Woche getan und war glücklich, dass ich es so gemacht habe.

Was ich vorher wusste und bereits am eigenen Leib erlebt habe: Bevor mit dem „Geschäftlichen“ begonnen wird, hält man ein bisschen Smalltalk. Das sah in meinem Fall so aus: Wir waren für eine Besprechung eigentlich für 16 Uhr verabredet, aber ich bin ganz chilenisch erst 17 Uhr aufgekreuzt. Ich hab meinen USB auf den Tisch gelegt, in der Hoffnung sofort beginnen zu können. Unser Gespräch mit ein paar Mitarbeitern, die auch im Raum waren, weitete sich auf 1,5 Stunden aus… Wir haben uns (übrigens ausschließlich auf Spanisch!!!) über Deutschland unterhalten. (Es nervt mich wahnsinnig, dass die Leute hier Witze über manche Teile der deutschen Geschichte machen…). 18.30 Uhr beschloss man nen Kaffee trinken zu gehen. Da ich 19.30 Uhr zum Deutschkurs musste, hieß das: Heute wird nix mehr gearbeitet… Wir haben seit drei Treffen versucht über meine Ideen zu diskutieren, das sollte ich hinzufügen… Beim nächsten Mal sind wir tatsächlich produktiv geworden und haben innerhalb einer Stunde intensiven Arbeitens auch alles geschafft. Aber ich bin ziemlich unzufrieden mit mir selber, dass ich es habe soweit kommen lassen und habe beschlossen meine Mentalität nicht ganz über den Haufen zu werfen.

Eins bringt mich leider so richtig auf die Palme und leider muss ich es wohl akzeptieren… Wenn du jemandem bittest, etwas für dich zu tun, erwarte auf keinen Fall, dass er es bis zum gesetzten Zeitpunkt erledigt hat. Momentan frage ich mich noch, ob die Sekretärin bei uns im Büro nur faul ist oder das typisch chilenisch ist. Ich habe sie vor zwei Wochen gebeten mir bis letzten Mittwoch etwas heraus zu suchen. Es handelt sich dabei um eine Auflistung häufiger Fragen der Austauschstudenten, die nach Arica kommen. Die müsste sie eigentlich alle in ihrem Postfach haben. Ich hab auch gar nicht erwartet, dass sie pünktlich übermittelt. Aber ich musste jetzt schon drei Mal nachfragen… Glücklicherweise haben wir beim Ausreiseseminar gelernt, dass man immer mehrfach nachhaken sollte, wenn einem etwas wichtig ist. Für deutsche Verhältnisse komme ich echt unhöflich vor, aber hier ist das normal.

Maria wäre aber nicht Maria, wenn sie sich nicht durchbeißen würde…. Das tue ich und die Pläne für die nächste Zeit sind geschmiedet. Mehr dazu nächstes Mal.

Nos vemos.

Samstag, 20. März 2010

Querida Alemania

Mein liebes Deutschland,

weißt du, gerade weile ich nicht in deinen Landen, weil ich auf die ausgeflippte Idee gekommen bin, für ein paar Monate nach Chile zu gehen. Südamerika… Das andere Ende der Welt. Aber trotzdem irgendwie gar nicht so anders, wie man denken mag. (Chile ist manchmal zum Beispiel ganz schön a…teuer. Denk ja nicht, nur weil es Südamerika ist, fühlt man sich hier steinreich!)

Ich schreibe dir, weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass ich mich bei dir entschuldigen sollte. Diese Zeilen folgen der Erkenntnis "Was man liebt weiß man erst, wenn man es vermisst". Also, Butter bei die Fische: Ich bin nicht das erste Mal im Ausland – keineswegs. Letztes Mal hat es mich nach Skandinavien verschlagen und – mein Gott – du kannst dir nicht vorstellen, wie hinreißend es dort ist! Zehn Monate wie ein Traum und das war bzw. ist der Grund, dass ich „Sorry“ sagen sollte: In dieser Zeit habe ich dich gedanklich wirklich ein bisschen mit Füßen getreten. Ich hab ein wenig den Respekt verloren dir gegenüber, weil ich fasziniert war von manchen Sachen, die mich dort schlichtweg von den Socken gehauen haben, weil ich sie von Deutschland nicht kannte. (Dass man immer nur die positiven Sachen sehen (will) vernachlässigen wir dezent an dieser Stelle…)

Aber jetzt sage ich SORRY. Sorry, weil ich gemerkt habe, wie gern ich dich habe und es unfair war, dass ich dich wie ein Paar alter Schuhe ignoriert habe. Nicht, dass ich dich vermisse ;-) Ich bin erst seit einem Monat hier. Nein, ich glaube vermissen werde ich dich erst später. Aber mir ist bewusst geworden, dass ich dich wirklich schätze!


Ich könnte jetzt anfangen aufzuzählen. Dass ich anfange die deutsche Genauigkeit zu lieben, ein bisschen die Bürokratie zu schätzen lerne und DIN-Normen einfach nur göttlich finde! Und wenn Menschen anfangen von meinem Heimatland zu schwärmen und Sachen bewundern, die ich für völlig unwichtig halte… Ein seltsam schönes Gefühl, weil ich dich neuentdecke.

Well, für eines muss ich dich tadeln, aber du kannst es auch ein bisschen als Lob verstehen. Die Sicherheit, die du den Menschen bietest, macht naiv. Ich bin so verwöhnt, jedenfalls von den Städtchen, in denen ich bisher gelebt habe. Wie ein blauäugiges Schaf laufe ich hier durch die Weltgeschichte, blind gegenüber manchen Gefahren, die hier lauern. Wenn man in einer perfekten Welt geboren wird, muss man erst lernen, dass diese perfekte Welt eben irgendwo endet. Nicht, dass mir was widerfahren ist – nein, mir geht es gut :-). Aber fast jeden Tag werden mir wieder die Augen geöffnet, weil ich sehe, wie gut es mir in Deutschland geht.

Mein liebes Deutschland, ich fühle mich echt mies, dass bisher Haribo und Schwarzbrot so gut wie die einzigen Dinge waren, die ich vermisst habe. Du hast so viel mehr zu bieten, was NUR DU den Menschen bietest.

Und dafür liebe ich dich!


Deine Maria

Donnerstag, 11. März 2010

Langeweile?!

Dieser Tage ist mir aufgefallen, dass ich mich in der VIERTEN Woche befinde! Nächsten Dienstag bin ich bereits einen kompletten Monat in Chile. Unglaublich. Wirklich, die Zeit rennt förmlich und ich weiß gar nicht wo die Tage hin sind.

Vor allem jetzt, wo ich arbeite. Ich bin fleißig am Erstellen der Website. Die Struktur ist schon angedacht und ich bin mittlerweile am Recherchieren von Inhalten. Am Dienstag hatten wir ein Treffen mit der Leiterin des Auslandsamtes, einer Mitarbeitern der Uni, die sich um die Webseiten kümmert und Carlos. Wieder mal ein bereicherndes Treffen! Es ist echt schwer, sich vor Ideen halten zu können. Wir treffen uns hoffentlich diese Woche noch mal, damit ich meine ersten Ideen zeigen und mit ihr diskutieren kann.

Gestern hat sich auch mal wieder gezeigt, wie verdammt wichtig diese Seite ist: Eine dänische Studentin (eine Bekannte von Nicklas und der ehemaligen dänischen Austauschstudentin) hat Carlos eine Mail mit all den Fragen geschickt, die sie alle haben: Wer, was, wo, wie?? So, wie kann es um Himmels Willen sein, dass die Studenten sich untereinander helfen müssen? Und man auf der Uniseite nicht mal einen Kontakt zum Auslandsamt findet…

Glücklicherweise hat die Leiterin dieses Problem erkannt und ich bin zur rechten Zeit am rechten Ort. Mittlerweile bekomme ich auch Unterstützung von weiteren Professoren. Coole Sache :-)

Gestern waren wir auch im American Corner und ahhhhh. Woher soll ich all die Zeit nehme, die ich benötige um all das zu machen, was ich will… Schenkt mir für Chile einen 30 Stunden Tag!! Ich kann zu den Konversationsstunden mit den Muttersprachlern gehen (endlich wieder mit Native Speakers unterhalten!), ab und zu im Kindergarten der Uni Englischstunden geben (JUHUUUU) und eventuell werden wir als Gruppe von ausländischen Studenten in die Schulen hier gehen und ein bisschen mit den Schülern arbeiten. Damit sie sehen, dass es sich lohnt Englisch zu lernen. In der Schule lernen zwar alle Englisch, aber das bringt nichts wirklich. Einen vernünftigen Satz kann ein 18-Jähriger deswegen noch lange nicht aussprechen. Traurig…

Nächste Woche gehe ich auch das erste Mal in den Deutschkurs. Ui, bin ich gespannt!!! Ich freu mich echt. Durch den Cosmo Club hab ich ein bisschen Übung darin, meine Sprache zu erklären und mich mit Nicht-Muttersprachlern geduldig zu unterhalten. Ich könnte natürlich sofort anfangen :-)

Mir ist jetzt schon klar, dass all meine Ideen in drei Monaten NIE zu realisieren sind. Hauptsache die Website und Cosmo Club – das ist meine Arbeit. Der Rest ist Spaß an der Freude. Naja, wie man mich kennt: Ich liebe es meine Tage bis oben hin vollzustopfen und mit ein bisschen Stress zu arbeiten.

Langeweile? Auch in Chile undenkbar für die Cosmo-Tante :-)

Nos vemos!

PS: Die Aktion "Chile ayuda a Chile" ist fabelhaft verlaufen: Statt der geplanten 21 Milionen haben die Chilenen innerhalb 24 Stunden 42 Milionen gesammelt!!

Samstag, 6. März 2010

Chile ayuda a Chile

Chile hilft Chile! Eine Woche nach dem schrecklichen Erdbeben finden an diesem Wochenende im ganzen Land Benefizveranstaltungen statt. Unter dem Motto "Chile ayuda a Chile" helfen alle Menschen den Opfern in den Erdbebengebieten.


In ganze Chile wird seit gestern Abend 22 Uhr eine Benefizgala ausgestrahlt. Und wenn ich sage "im kompletten Land", heißt es das hier auch: In ALLEN Kanälen kommt bis heute Abend 22 Uhr nur dieses eine Programm. Das Ziel ist es 15.000.000.000 CLP an Spenden einzunehmen. Umgerechnet sind das rund 21,5 Millionen Euro. Auf der Website der Aktion kann man verfolgen, wie viel bereits gesammelt wurde.

Wer nicht in der TV-Gala sitzt, muss förmlich zu den Aktionen in seiner Stadt gehen. Überall gab es gestern Abend Veranstaltungen und jede der unterstützenden Banken hatte bis in die Nacht geöffnet, um Spenden entgegen zu nehmen.

So natürlich auch hier in Arica. Auf dem Plaza Colón gab es den "Carnaval Solidario", ein Zirkus mit verdammt viel Tanz! Hauptsächlich Samba von verschiedenen Gruppen aus der Region. Die Kostüme waren der Hammer!! Wir konnten uns gar nicht sattsehen! Es war toll zu sehen, wie viele Leute dort waren, wie oft sich der Moderator für die Unterstützung bedankte und wie nach und nach Geld zusammen kam.




Nicklas und ich haben (ich gestehe mit Schande) eigentlich eher zufällig davon erfahren: Nach meinem Spanischunterricht haben wir zwei deutsche Backpacker im Supermarkt getroffen und sind spontan mit den beiden was essen gegangen. Da sie die Touristeninfo suchten, sind wir dahin und haben erst dort mitbekommen, dass etwas los ist.

Auf dem Rückweg zum Collectivo (die Miniform eines Buses: Autos, die ihr Ringlein fahren und einen mitnehmen, wenn man ihnen vom Straßenrand zuwinkt) sind wir an der Bank vorbei gekommen und ich konnte meinen Beitrag zur Hilfe leisten. Chile hilft Chile und ich bin dabei :-) Für die Spende gab es auch einen Sticker, den ich echt mit Stolz trage und wie einen Schatz hüten werde.



Ich hoffe, dass noch genug Geld zusammen kommt und bin stolz auf dieses Land, das so tapfer und vereint kämpft.

Mittwoch, 3. März 2010

Fabelhafter Start

Erwarte nichts und du bekommst alles – so könnte ich ausdrücken, was ich derzeit erlebe. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Aber die ersten drei Tage dieser Woche sind einfach so klasse!! Im Moment läuft einfach alles ohne Probleme.


Ich war bei der Ankunft in Chile nicht sicher, was mich in der Arbeit erwartet. Ob es überhaupt Arbeit für mich gibt, was ich machen werde oder ob ich nur die ganze Zeit Däumchen drehen muss. Als ich erfahren habe, dass just mit meinem Beginn auch die bisherige Leiterin in Pension geht, hab ich erwartet, dass diese Woche die Schrecklichste wird, die ich je in Chile haben werde, weil nix funktionieren würde.

Am Montag war ich nun also im Büro, um einen Termin mit der Leiterin auszumachen. Sie saß aufgrund des Erdbebens noch in Santiago fest, wodurch wir uns erst heute Morgen getroffen haben. Die Señora ist schon ein bisschen älter und war vorher die Leiterin des Spracheninstituts. Wir hatten die Idee, Informationen für zukünftige Austauschstudenten in einer Website zu präsentieren, als Vorstufe des Cosmo Clubs. Nach diesem Projekt hat sie mich dann sogar direkt gefragt! Sie will, dass ich den Cosmopolitan Club Chile aufbaue! Und was das heißt, ist klar: Die Unterstützung der Universität gibt es. Sie bemüht sich sogar um Partner. Und wir haben schon erste Ideen, wie wir das Ganze angehen.

Weiterhin kümmert sie sich um einen Assistenten der EDV, der mir bei der Erstellung der Website helfen wird. Die Website wird alle möglichen Informationen enthalten, die die Studenten vor und während ihrer Zeit in Arica benötigen. Auf Englisch, Deutsch, Spanisch und Französisch. Und auch für die Übersetzungen in den Sprachen, die ich nicht beherrsche, hat sie schon Ideen, wer mir helfen wird.

Weiterhin will sie, dass ich den Studenten, die nach Deutschland gehen, Conversation hours gebe. Auch die Zusammenarbeit mit dem Zentrum der EU und dem American Corner hat sie angesprochen.

Ein Plätzchen zum Arbeiten wird mir auch hergerichtet, mit eigenem Laptop und ner eigenen E-Mail Adresse. Oh man, wenn alles das wirklich so wahr wird, platze ich irgendwann vor Glück!! Ich arbeite von 8.30 Uhr bis 13 Uhr im Büro und habe die Nachmittage frei, um entweder zu Hause (bzw. der Bibliothek) zu arbeiten, die Konversationsstunden vorzubereiten, vor Ort Recherche für die Website vorzunehmen und Zeit für Spanisch zu haben.

Hier in Arica verbringe ich die erste Woche auf Solo-Pfaden, denn Carlos musste nach Iquique zurück. Derweil treffe ich mich mit Nicklas, einem Dänen (der sofort begeistert war von der Idee des Cosmo und schon dabei ist :-)). Und schlecht ist es auch nicht, ein bisschen Zeit für mich zu haben, schließlich muss ich im April eine Hausarbeit in MW abliefern und meine Bachelorarbeit recherchiert sich auch nicht von alleine.

Mein Zimmer hier ist wirklich toll!! Klein, aber fein. Auch die Vermieter, ein altes Ehepaar, sind so süß. Als ich gestern die Miete bezahlen wollte, haben sie mich erst mal setzen lassen und dann haben wir fast eine Stunde gesprochen. Und ich erwähne, dass beide kein Englisch sprechen! Jetzt darf ich sogar gegen ein bisschen Entgelt deren Waschmaschine nutzen. Und da mein Zimmer im oberen Geschoss liegt, habe ich sogar eine kleine "Terasse" (wirklich mini, aber reicht zum Sitzen) mit ner Aussicht, um die mich alle beneiden :-)



Gestern habe ich auch den Spanischunterricht begonnen. Der ist wahnsinnig gut und ich bin mir sicher, dass meine Kenntnisse bald ausreichen, um mich ordentlich zu unterhalten.

Nach diesem schrecklichen Wochenende bin ich einfach nur so wahnsinnig froh, dass alles gerade so läuft, wie es läuft! Ich bin mir zwar sicher, dass ich irgendwann auf Steine auf meinen Wegen treffe, aber im Moment sprudel ich nur über vor Ideen und damit werde ich mit denen Steinen schon umgehen können. Also: Macht euch keine Sorgen um mich, hier im letzten Land der Welt. Mit meinem Lachen werde ich eh alle verstrahlen ;-)

Nos vemos,
Maria

Sonntag, 28. Februar 2010

Alles gut bei uns nach dem Erdbeben

Ich hätte mir wirklich Schöneres vorstellen können, als heute von so einem Thema zu schreiben. "Selbst für mich ist das unvorstellbar. Wie muss es dann für dich sein", meinte Carlos eben zu mir. Und so ist es. Carlos kann kaum glauben, dass das alles in seinem Land passiert. Und ich kann nicht fassen, dass ich mitten drin bin.

Wie froh ich bin, dass das Erdbeben nicht hier im Norden war. Die Bilder, die wir den ganzen Tag über im TV gesehen haben, sind schrecklich. Wir sind zwischendurch eingeschlafen und jedes Mal, als wir wieder aufgewacht sind, war die Zahl der Opfer wieder höher. Ich hab sofort an zwei Freunde in Santiago gedacht. Mittlerweile habe ich aber Nachricht, dass es beiden gut geht. Ein Glück. Und jetzt kommen ständig Betroffene in den Nachrichten und eigentlich bin ich froh, wenn ich nicht verstehe, was sie sagen. Welchen Sinn muss das Leben für eine Frau noch machen, die ihr Haus, ihre Kinder und ihren Ehemann verloren hat. Wie soll eine Mutter je wieder schlafen können, die ihre Kinder unter den Trümmern noch nach Hilfe schreien hörte und nichts machen konnte.

Wirklich, ich habe mir große Sorgen um meine Lieben zu Hause gemacht. Kurz nachdem wir von dem Erdbeben erfahren haben, wollte ich die deutschen Nachrichten hören, um zu checken, ob das Ereignis international behandelt wird. Aber nichts funktionierte. Bis halb vier nachmittags. Schrecklich war das. Niemandem zu Hause sagen zu können, dass es einem gut geht. Vorsorglich habe ich morgens gleich eine SMS nach Hause geschrieben, dass alles gut ist. Ständig haben wir versucht Verbindung ins Netz zu bekommen – keine Chance. Wie ich dann gegen drei kurz in den Schlagzeilen gelesen habe, sprechen die Nachrichten lediglich von "Chile", nicht genau von den betroffenen Orten. Großartig. Als ich dann immer noch keine Verbindung in Skype hatte konnte ich nicht mehr still sitzen.

Gegen halb vier ging das Internet endlich wieder richtig. Wie ich dann erfahren habe, ist meine SMS nicht angekommen. Ich kann mir vorstellen, was das für Ängste waren, nicht zu wissen, ob ich wohlauf bin.
Das Erdbeben ereignete sich gegen halb vier. Um vier sind wir erst schlafen gegangen, nichtsahnend von dem was im Süden vor sich geht. Um sieben sind die Jungs aufgeregt durch das Haus gelaufen und ich hab mich nur gewundert, was das soll. Dann hat Carlos mich mit mit "Erdbeben in Santiago" geweckt. Der Wert auf der Richterskala ist ständig geklettert, angefangen von 8,3. Ich habe gelesen, dass dieses Beben als Jahrhundertbeben bezeichnet wird.

Ich bin noch keine zwei Wochen hier und schon zwei kleinere Beben und jetzt das. Das sollte für knapp vier Monate eigentlich reichen. Es ist aber echt beruhigend Carlos zu haben. Weil Erdbeben für die Chilenen normal sind, strahlen sie in einem solchen Moment eine wahnsinnige Ruhe aus. Carlos sagte: "Es ist meist nicht das Beben, dass die Menschen tötet. Meistens sind sie es selber." Panik ist das Schlimmste, was einem passieren kann. Aber es gibt genug Möglichkeiten sich auf so einen Moment vorzubereiten.

Es fühlt sich seltsam an, hier normal weiter zu machen, während im Süden Chaos herrscht. Man kann nichts tun. Aber zum Glück ist die Zahl der Opfer im Verhältnis zur Stärke des Bebens gering.

Carlos gibt mir gerade noch den Tipp für gute Recherchequellen. Vielleicht nicht alles zu verstehen, aber Bilder.

htpp://www.canal13.cl (TV)
http://www.tvn.cl (TV)
http://www.lun.cl (Print)
http://www.emol.cl (Print)
http://www.euronews.com
http://www.bbc.co.uk/mundo
http://www.terra.cl

Ich hoffe ich kann nächstes Mal wieder von positiven Sachen schreiben. Am Montag geht die Arbeit los. Das wird spannend…

Nos vemos.

Samstag, 27. Februar 2010

Terremoto - Erdbeben

Hallo liebe Freunde,

ihr habt sicher in den Nachrichten gehört, dass es in Chile ein schweres Erdbeben gab. Dieses Erdbeben war aber in Santiago und weiter im Süden! Auch wenn es eine Stärke von 8,8 Richterskala hatte - wir sind hier verschont geblieben.

BEI UNS IST ALLES GUT, WIR HABEN VON DIESEM ERDBEBEN NICHTS GESPÜRT! Auch der Tsunami wird hier NICHT angekommen.

Bis jetzt war das Internet kaputt, jetzt funktioniert es wieder.

Chile ist zum Glück sehr gut vorbereitet auf Erdbeben, sodass es zum Glück in den betroffenen Gebieten wieder Strom und Wasser gibt.

Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der (bis jetzt) 122 Opfer.

Soweit erst mal eine kurze Nachricht, dass es mir gut geht. Ich melde mich noch mal ausführlich.

Danke für all, die Nachrichten, die bei mir eingegangen sind. Aber jetzt müsst ihr euch zum Glück keine Sorgen mehr machen!

Lago Chungará

Dieser Ausflug auf den zweithöchsten See der Welt stand natürlich wieder unter dem Motto: Unbelieveable!! Und er war vor allem eines: Anstrengend. Der See liegt auf einer Höhe von 4500 Metern. Arica, von wo aus wir gestartet sind, liegt dagegen auf 47 Metern NN. Da ich eh wetterfühlig bin, war ich sicher, dass ich die erste bin, die am Sauerstofftank hängt…


Dem war aber nicht so. Wir haben uns vorher mit "Koka" versorgt und die Reiseagentur, mit der wir unterwegs waren, hat uns sehr gut auf die Höhe vorbereitet. Halt… KOKA? Ja! Kokain? Nein!! Ja, daraus wird zwar Kokain hergestellt, aber in der ursprünglichen Form hilft es die Sauerstoffaufnahme zu verbessern. Das Zeug schmeckt zwar furchtbar, aber ich hab die ganze Zeit wie ein kleiner Koala darauf rum gekaut. Verbunden mit viel Wasser, Süßigkeiten (die deutschen Haribos haben großen Anklang gefunden :-)) und Kaugummi konnte man den Höhenunterschied schon ertragen. Auf halber Höhe war mir zwar speiübel, aber oben angekommen fühlte ich mich wie ein junges Reh. Die Reiseleiter sagten noch, wir sollen ja alles LANGSAM machen. Aber als ob ich das könnte =) Am Anfang hab ich das zwar gemacht, aber dann bin ich rumgesprungen wie neugeboren. Komischerweise war ich die einzige. Alle anderen liefen rum wie Zombies.


Leider war die Aussicht ein bisschen unspektakulär. Die Wolken haben die Spitzen der beiden Vulkane Parinacota und Pomerabe (über 6200 Meter hoch) bedeckt, was wirklich schade war. Aber trotzdem war es wunderschön! Im See spazierten Flamingos rum!!! Wie im Zoo.


Wirklich, das war der Hammer. Übrigens erklärt sich hier auch, wieso ich mit Schal und Sonnenbrille unterwegs war: Die Sonne auf dem Weg war (wie immer) wahnsinnig stark und warm, aber am See war es ziemlich kalt und leider hat es auch geregnet. Könnte ein bisschen vom "Bolivianischen Winter" gewesen sein, der jederzeit über die Region herein brechen kann.
Die sechs Stunden bis dorthin waren übrigens nicht minder interessant. Wir haben zur Akklimatisierung viele Zwischenstopps eingelegt. Der erste in einem Dorf im Azapa Tal (wo es KÜHE gab!) an einer Kirche aus dem Jahr 1530.


Der zweite Stopp mit einer atemberaubenden Aussicht und einem phänomenalen Echo. Da strahlte sie wieder die Maria :-)



Den letzten Stopp haben wir kurz vor dem Lago gemacht und hatten das Vergnügen Lamas (in Spanisch Llamas) zu streicheln. Freilebenden Lamas, versteht sich. Die Jungs hatten ihren Spaß die Tierchen mit Keksen vollzustopfen ;-)


Achso wir wollen die anderen possierlichen Tierchen namens Vikunjas, nicht vergessen, die wir als Herde unterwegs gesehen haben.


Der Tag fühlte sich ein bisschen an, wie als kleines Kind in den Zoo zu gehen. Und endlich kann ich mal in Live sehen, was ich im Geographieunterricht gelernt hab. Mein Gott, nie hätte ich gedacht, dass ich tatsächlich mal so etwas sehen werde! Ich bin Südamerika. Ich kann es immer noch nicht fassen.