Mittwoch, 31. März 2010

Like ice in the sunshine

Seit gestern fühle ich mich wieder wohl mit der Arbeit. Ich bin wieder zufrieden und glücklich. So ein bisschen wie ein Eis in der Sonne, das vor lauter Wärme davon schmilzt. Einfach gut :-) Mein zweiter Monat hat begonnen und ich habe mir Besserung vorgenommen, was die Kontinuität der Arbeit angeht. Ich will keine voreiligen Schlüsse ziehen, nur weil mal zwei Tage gut gelaufen sind. Aber ich habe das Gefühl, dass diese beiden Tage ein guter Start waren.

Gestern habe ich den Inhalt für die Website zur Kontrolle an die Leiterin des Auslandsamts (sie heißt übrigens Señora Aguliera) geschickt. Am selben Abend hatte ich die Antwort im Kasten: „Muy bien, Maria!“ (Muss ich das wirklich übersetzen? ;-) Ich habe mich so gefreut und sofort Carlos unser erstes kleines Erfolgserlebnis mitgeteilt, das wir echt gut gebrauchen können nach den ersten schwierigen Wochen.

Den Inhalt habe ich heute sofort ins Radio gebracht, damit Gloria die Seite erstellen kann. Bis schon gespannt was rauskommt. Nächsten Donnerstag wird die Seite (bzw. der Prototyp) präsentiert :-)

Dann nämlich haben wir das Treffen mit International Office, American Corner und Europazentrum. Es ist im Kasten, es haben alle dem Termin zugestimmt!!! Wahnsinn, ich bin echt ein bisschen stolz, dass all diese Institutionen das erste Mal zusammen sitzen und ich diejenige bin, die es eingefädelt hat :-) Bei der Terminabstimmung wurde mein Spanisch übrigens mehrmals gelobt. Ich stell das einfach mal in den Raum – ob mein Spanisch wirklich so schnell besser wird, keine Ahnung. Denn Verständnisprobleme hab ich natürlich immer noch oft genug… Anyway, nächsten Donnerstag 8, April 11.20 Uhr ist THE date. (Ich bin jetzt schon am Sterben, wenn ich mir vorstelle, dass ICH, die erst seit Oktober Spanisch lernt, eine Versammlung leiten wird, der ausschließlich Muttersprachler beiwohnen…) Über Ostern werde ich aber eh nichts weiter machen als relaxen und Spanisch lernen. Die Themen des Treffens werden Cosmo Club und an zweiter Stelle die Website sein. Ich werde natürlich sofort berichten, wie es gelaufen ist!

Gestern Nachmittag war ich außerdem zur Konversationsstunde im Amercian Corner, wo Gonzalo (der Leiter) mich gebeten hat, meine Idee mit dem Cosmo Club unter die Leute zu bringen. Hab ich natürlich auch erfolgreich, keine Sorge – wenn ich einmal anfange mit Schwärmen ;-) Und die Leute waren wieder mal sehr angetan. Mal sehen, wer übrigbleibt, wenn es ans Eingemachte geht… Bin sehr zurückhaltend in meinen Erwartungen, freue mich dennoch auf die Präsentation, die ich abermals auf Spanisch halten werde. Ein bisschen sehr große Ziele, nicht wahr ;-) Aber wer keine Ziele hat, kann auch nichts erreichen. Wer mich als Leiterin des Cosmo in Mittweida „ertragen“ musste weiß, was wir erreicht haben mit viel Durchhaltevermögen und Ranklotzen. Mit STOLZ werde ich mein Cosmopolitaner-Botschafter T-Shirt tragen, liebe Cosmo-Freunde!! (An dieser Stelle nochmal danke für dieses Unikat :-)

Hochachtungsvoll vom andern Ende der Welt,
die Cosmo-Tante

Montag, 29. März 2010

Das erste Resümee

Nach dem ersten Monat im Praktikum wird es Zeit ein kurzes Fazit zu ziehen. Dabei erschreckt es mich, dass mir nur noch zwei Monate bleiben.

In den ersten vier Wochen war es ein bisschen turbulent muss ich sagen. Die erste Woche war zum Akklimatisieren und Eingewöhnen da. In der zweiten Woche haben sie Carlos in einem Restaurant seine Gürteltasche geklaut, als wir gerade Mittag essen waren. Die Tage danach waren so gut wie sinnlos, weil wir eigentlich nur unterwegs waren, um die Behörden abzuklappern. In der Woche danach hat es mich aus dem Rennen geworfen, weil ich ein bisschen krank war. Nichts Ernstes, aber mit der ständigen Hitze nicht gerade nett zu ertragen. So ist fast die Hälfte des Monats an uns vorbei gezogen, ohne dass wir wirklich etwas geschafft haben.

Während dessen habe ich mich an die chilenische Arbeitsweise heran getastet. Ich habe beobachtet und mich eingefügt. Und dieses Integrieren ist mir diese Woche auf die Füße gefallen. Ich war so unzufrieden mit mir und dem geringen Fortschritt der Arbeit, dass ich fast verrückt geworden bin. Ich habe gemerkt, dass es nicht gut war, meine deutsche Mentalität mal auszuschalten und mit zu schwimmen. Ja, ich habe es natürlich genossen, dass sich die Arbeit ein bisschen wie Urlaub anfühlt, weil es auch Erholung war. Aber damit ist jetzt Schluss und es wird wieder durchgestartet.

Am Freitag hatte ich endlich ein Treffen mit der Leiterin des Auslandsamt, was mich wieder positiv gestimmt hat. Endlich haben wir Deadlines für die Website. Ich hoffe das hilft mir und den Leuten, mit denen ich zusammen arbeite, endlich zu Potte zu kommen. Ein Drittel meiner Zeit ist schon rum und außer einem Großteil des Inhalts auf Englisch ist noch nichts zu sehen. Das ärgert mich, lehrt mich aber auch einiges: Manche Sachen doch lieber nicht aus der Hand zu geben, was auch heißt, dass man manche Leute vielleicht teils übergeht. Aber was ich selber mache, verantworte ich auch selber.

Ich habe so gut wie noch nichts über den Cosmo Club geschrieben. Das hatte seine Gründe, denn bis jetzt hat sich leider noch nichts getan. Was zum einen daran lag, dass die Austauschstudenten erst letzte Woche angereist sind. Was aber auch damit zu tun hat, dass ich einfach keine Ahnung habe/ hatte, wo man hier welche Stricke ziehen muss, um etwas zu erreichen. Es tut mir Leid, dass ich bis jetzt noch nichts erreicht habe, weil ich es auch als meine Verpflichtung ansehe, Mittweida in Arica würdig zu vertreten. Aber das Treffen mit der Leiterin hat auch für dieses Projekt Fortschritt gebracht. Wir haben jetzt endlich einen Termin, an dem sich das Auslandsamt, der American Corner, das Europäische Zentrum sowie Carlos und ich an einen Tisch setzen und Grundlegendes über den Cosmo Club besprechen werden. Übrigens ein Novum – bisher saßen all diese Leute noch nie an einem Tisch. Ich hoffe, hoffe, hoffe, dass dieses Treffen erfolgreich wird und fange jetzt schon in Gedanken an, meinen Text auf Spanisch zu üben. Für kurz danach setzen wir auch ein Treffen mit allen interessierten Studenten an. Die Unterstützung der Leiterin habe ich schon und ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht. Schließich ist dann bereits Mitte April und die Hälfte der Zeit herum.


Soweit der erste Statusbericht aus Chile. Danke für die Kommentare zum letzten Eintrag, die ich mir zu Herzen nehmen werde. Und natürlich auch danke für alle anderen Kommentare, die bisher gepostet wurden! Ich freue mich sehr, dass so fleißig gelesen wird :-)

Nos vemos!
Die Cosmo-Tante in Chile

Samstag, 27. März 2010

Ein bisschen arbeiten

Wie arbeitet man in Südamerika? Es ist anders. Nur wie anders? Kann ich mit dem Unterschied umgehen? Und wenn ja, ist es kompliziert? Um diese Fragen zu beantworten bin ich hier. Und ich muss sagen, der Schritt hat sich gelohnt. In den letzten Wochen kommt so langsam Licht ins Dunkel.

Es war mir von vornherein klar, dass ich das System vielleicht nicht mögen würde. Und ich kann nicht leugnen, dass ich derzeit ein bisschen zähneknirschend durch die Welt laufe. Die Menschen hier arbeiten wirklich dermaßen anders, dass ich gespannt bin, wie ich mich in diesem System entwickeln werde.


Vorab: Nein, ich beschwere mich nicht. Wirklich nicht. Es war mir vorher klar, auf was ich mich einlasse. Aber es ist echt ein bisschen kompliziert hier mit der deutschen Arbeitsweise im Rücken.

E-Mails schreiben bringt rein gar nichts. Vielleicht sind meine Mails nur zu lang, aber vielleicht haben die Leute hier ihr Postfach aber auch einfach nur als Dekoration. Aber man kann Stunden, Tage, Wochen warten, selbst wenn man sagt es sei dringend. Die Moral von der Geschicht: Die Leute anrufen oder persönlich vorbei gehen. Das hab ich diese Woche getan und war glücklich, dass ich es so gemacht habe.

Was ich vorher wusste und bereits am eigenen Leib erlebt habe: Bevor mit dem „Geschäftlichen“ begonnen wird, hält man ein bisschen Smalltalk. Das sah in meinem Fall so aus: Wir waren für eine Besprechung eigentlich für 16 Uhr verabredet, aber ich bin ganz chilenisch erst 17 Uhr aufgekreuzt. Ich hab meinen USB auf den Tisch gelegt, in der Hoffnung sofort beginnen zu können. Unser Gespräch mit ein paar Mitarbeitern, die auch im Raum waren, weitete sich auf 1,5 Stunden aus… Wir haben uns (übrigens ausschließlich auf Spanisch!!!) über Deutschland unterhalten. (Es nervt mich wahnsinnig, dass die Leute hier Witze über manche Teile der deutschen Geschichte machen…). 18.30 Uhr beschloss man nen Kaffee trinken zu gehen. Da ich 19.30 Uhr zum Deutschkurs musste, hieß das: Heute wird nix mehr gearbeitet… Wir haben seit drei Treffen versucht über meine Ideen zu diskutieren, das sollte ich hinzufügen… Beim nächsten Mal sind wir tatsächlich produktiv geworden und haben innerhalb einer Stunde intensiven Arbeitens auch alles geschafft. Aber ich bin ziemlich unzufrieden mit mir selber, dass ich es habe soweit kommen lassen und habe beschlossen meine Mentalität nicht ganz über den Haufen zu werfen.

Eins bringt mich leider so richtig auf die Palme und leider muss ich es wohl akzeptieren… Wenn du jemandem bittest, etwas für dich zu tun, erwarte auf keinen Fall, dass er es bis zum gesetzten Zeitpunkt erledigt hat. Momentan frage ich mich noch, ob die Sekretärin bei uns im Büro nur faul ist oder das typisch chilenisch ist. Ich habe sie vor zwei Wochen gebeten mir bis letzten Mittwoch etwas heraus zu suchen. Es handelt sich dabei um eine Auflistung häufiger Fragen der Austauschstudenten, die nach Arica kommen. Die müsste sie eigentlich alle in ihrem Postfach haben. Ich hab auch gar nicht erwartet, dass sie pünktlich übermittelt. Aber ich musste jetzt schon drei Mal nachfragen… Glücklicherweise haben wir beim Ausreiseseminar gelernt, dass man immer mehrfach nachhaken sollte, wenn einem etwas wichtig ist. Für deutsche Verhältnisse komme ich echt unhöflich vor, aber hier ist das normal.

Maria wäre aber nicht Maria, wenn sie sich nicht durchbeißen würde…. Das tue ich und die Pläne für die nächste Zeit sind geschmiedet. Mehr dazu nächstes Mal.

Nos vemos.

Samstag, 20. März 2010

Querida Alemania

Mein liebes Deutschland,

weißt du, gerade weile ich nicht in deinen Landen, weil ich auf die ausgeflippte Idee gekommen bin, für ein paar Monate nach Chile zu gehen. Südamerika… Das andere Ende der Welt. Aber trotzdem irgendwie gar nicht so anders, wie man denken mag. (Chile ist manchmal zum Beispiel ganz schön a…teuer. Denk ja nicht, nur weil es Südamerika ist, fühlt man sich hier steinreich!)

Ich schreibe dir, weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass ich mich bei dir entschuldigen sollte. Diese Zeilen folgen der Erkenntnis "Was man liebt weiß man erst, wenn man es vermisst". Also, Butter bei die Fische: Ich bin nicht das erste Mal im Ausland – keineswegs. Letztes Mal hat es mich nach Skandinavien verschlagen und – mein Gott – du kannst dir nicht vorstellen, wie hinreißend es dort ist! Zehn Monate wie ein Traum und das war bzw. ist der Grund, dass ich „Sorry“ sagen sollte: In dieser Zeit habe ich dich gedanklich wirklich ein bisschen mit Füßen getreten. Ich hab ein wenig den Respekt verloren dir gegenüber, weil ich fasziniert war von manchen Sachen, die mich dort schlichtweg von den Socken gehauen haben, weil ich sie von Deutschland nicht kannte. (Dass man immer nur die positiven Sachen sehen (will) vernachlässigen wir dezent an dieser Stelle…)

Aber jetzt sage ich SORRY. Sorry, weil ich gemerkt habe, wie gern ich dich habe und es unfair war, dass ich dich wie ein Paar alter Schuhe ignoriert habe. Nicht, dass ich dich vermisse ;-) Ich bin erst seit einem Monat hier. Nein, ich glaube vermissen werde ich dich erst später. Aber mir ist bewusst geworden, dass ich dich wirklich schätze!


Ich könnte jetzt anfangen aufzuzählen. Dass ich anfange die deutsche Genauigkeit zu lieben, ein bisschen die Bürokratie zu schätzen lerne und DIN-Normen einfach nur göttlich finde! Und wenn Menschen anfangen von meinem Heimatland zu schwärmen und Sachen bewundern, die ich für völlig unwichtig halte… Ein seltsam schönes Gefühl, weil ich dich neuentdecke.

Well, für eines muss ich dich tadeln, aber du kannst es auch ein bisschen als Lob verstehen. Die Sicherheit, die du den Menschen bietest, macht naiv. Ich bin so verwöhnt, jedenfalls von den Städtchen, in denen ich bisher gelebt habe. Wie ein blauäugiges Schaf laufe ich hier durch die Weltgeschichte, blind gegenüber manchen Gefahren, die hier lauern. Wenn man in einer perfekten Welt geboren wird, muss man erst lernen, dass diese perfekte Welt eben irgendwo endet. Nicht, dass mir was widerfahren ist – nein, mir geht es gut :-). Aber fast jeden Tag werden mir wieder die Augen geöffnet, weil ich sehe, wie gut es mir in Deutschland geht.

Mein liebes Deutschland, ich fühle mich echt mies, dass bisher Haribo und Schwarzbrot so gut wie die einzigen Dinge waren, die ich vermisst habe. Du hast so viel mehr zu bieten, was NUR DU den Menschen bietest.

Und dafür liebe ich dich!


Deine Maria

Donnerstag, 11. März 2010

Langeweile?!

Dieser Tage ist mir aufgefallen, dass ich mich in der VIERTEN Woche befinde! Nächsten Dienstag bin ich bereits einen kompletten Monat in Chile. Unglaublich. Wirklich, die Zeit rennt förmlich und ich weiß gar nicht wo die Tage hin sind.

Vor allem jetzt, wo ich arbeite. Ich bin fleißig am Erstellen der Website. Die Struktur ist schon angedacht und ich bin mittlerweile am Recherchieren von Inhalten. Am Dienstag hatten wir ein Treffen mit der Leiterin des Auslandsamtes, einer Mitarbeitern der Uni, die sich um die Webseiten kümmert und Carlos. Wieder mal ein bereicherndes Treffen! Es ist echt schwer, sich vor Ideen halten zu können. Wir treffen uns hoffentlich diese Woche noch mal, damit ich meine ersten Ideen zeigen und mit ihr diskutieren kann.

Gestern hat sich auch mal wieder gezeigt, wie verdammt wichtig diese Seite ist: Eine dänische Studentin (eine Bekannte von Nicklas und der ehemaligen dänischen Austauschstudentin) hat Carlos eine Mail mit all den Fragen geschickt, die sie alle haben: Wer, was, wo, wie?? So, wie kann es um Himmels Willen sein, dass die Studenten sich untereinander helfen müssen? Und man auf der Uniseite nicht mal einen Kontakt zum Auslandsamt findet…

Glücklicherweise hat die Leiterin dieses Problem erkannt und ich bin zur rechten Zeit am rechten Ort. Mittlerweile bekomme ich auch Unterstützung von weiteren Professoren. Coole Sache :-)

Gestern waren wir auch im American Corner und ahhhhh. Woher soll ich all die Zeit nehme, die ich benötige um all das zu machen, was ich will… Schenkt mir für Chile einen 30 Stunden Tag!! Ich kann zu den Konversationsstunden mit den Muttersprachlern gehen (endlich wieder mit Native Speakers unterhalten!), ab und zu im Kindergarten der Uni Englischstunden geben (JUHUUUU) und eventuell werden wir als Gruppe von ausländischen Studenten in die Schulen hier gehen und ein bisschen mit den Schülern arbeiten. Damit sie sehen, dass es sich lohnt Englisch zu lernen. In der Schule lernen zwar alle Englisch, aber das bringt nichts wirklich. Einen vernünftigen Satz kann ein 18-Jähriger deswegen noch lange nicht aussprechen. Traurig…

Nächste Woche gehe ich auch das erste Mal in den Deutschkurs. Ui, bin ich gespannt!!! Ich freu mich echt. Durch den Cosmo Club hab ich ein bisschen Übung darin, meine Sprache zu erklären und mich mit Nicht-Muttersprachlern geduldig zu unterhalten. Ich könnte natürlich sofort anfangen :-)

Mir ist jetzt schon klar, dass all meine Ideen in drei Monaten NIE zu realisieren sind. Hauptsache die Website und Cosmo Club – das ist meine Arbeit. Der Rest ist Spaß an der Freude. Naja, wie man mich kennt: Ich liebe es meine Tage bis oben hin vollzustopfen und mit ein bisschen Stress zu arbeiten.

Langeweile? Auch in Chile undenkbar für die Cosmo-Tante :-)

Nos vemos!

PS: Die Aktion "Chile ayuda a Chile" ist fabelhaft verlaufen: Statt der geplanten 21 Milionen haben die Chilenen innerhalb 24 Stunden 42 Milionen gesammelt!!

Samstag, 6. März 2010

Chile ayuda a Chile

Chile hilft Chile! Eine Woche nach dem schrecklichen Erdbeben finden an diesem Wochenende im ganzen Land Benefizveranstaltungen statt. Unter dem Motto "Chile ayuda a Chile" helfen alle Menschen den Opfern in den Erdbebengebieten.


In ganze Chile wird seit gestern Abend 22 Uhr eine Benefizgala ausgestrahlt. Und wenn ich sage "im kompletten Land", heißt es das hier auch: In ALLEN Kanälen kommt bis heute Abend 22 Uhr nur dieses eine Programm. Das Ziel ist es 15.000.000.000 CLP an Spenden einzunehmen. Umgerechnet sind das rund 21,5 Millionen Euro. Auf der Website der Aktion kann man verfolgen, wie viel bereits gesammelt wurde.

Wer nicht in der TV-Gala sitzt, muss förmlich zu den Aktionen in seiner Stadt gehen. Überall gab es gestern Abend Veranstaltungen und jede der unterstützenden Banken hatte bis in die Nacht geöffnet, um Spenden entgegen zu nehmen.

So natürlich auch hier in Arica. Auf dem Plaza Colón gab es den "Carnaval Solidario", ein Zirkus mit verdammt viel Tanz! Hauptsächlich Samba von verschiedenen Gruppen aus der Region. Die Kostüme waren der Hammer!! Wir konnten uns gar nicht sattsehen! Es war toll zu sehen, wie viele Leute dort waren, wie oft sich der Moderator für die Unterstützung bedankte und wie nach und nach Geld zusammen kam.




Nicklas und ich haben (ich gestehe mit Schande) eigentlich eher zufällig davon erfahren: Nach meinem Spanischunterricht haben wir zwei deutsche Backpacker im Supermarkt getroffen und sind spontan mit den beiden was essen gegangen. Da sie die Touristeninfo suchten, sind wir dahin und haben erst dort mitbekommen, dass etwas los ist.

Auf dem Rückweg zum Collectivo (die Miniform eines Buses: Autos, die ihr Ringlein fahren und einen mitnehmen, wenn man ihnen vom Straßenrand zuwinkt) sind wir an der Bank vorbei gekommen und ich konnte meinen Beitrag zur Hilfe leisten. Chile hilft Chile und ich bin dabei :-) Für die Spende gab es auch einen Sticker, den ich echt mit Stolz trage und wie einen Schatz hüten werde.



Ich hoffe, dass noch genug Geld zusammen kommt und bin stolz auf dieses Land, das so tapfer und vereint kämpft.

Mittwoch, 3. März 2010

Fabelhafter Start

Erwarte nichts und du bekommst alles – so könnte ich ausdrücken, was ich derzeit erlebe. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Aber die ersten drei Tage dieser Woche sind einfach so klasse!! Im Moment läuft einfach alles ohne Probleme.


Ich war bei der Ankunft in Chile nicht sicher, was mich in der Arbeit erwartet. Ob es überhaupt Arbeit für mich gibt, was ich machen werde oder ob ich nur die ganze Zeit Däumchen drehen muss. Als ich erfahren habe, dass just mit meinem Beginn auch die bisherige Leiterin in Pension geht, hab ich erwartet, dass diese Woche die Schrecklichste wird, die ich je in Chile haben werde, weil nix funktionieren würde.

Am Montag war ich nun also im Büro, um einen Termin mit der Leiterin auszumachen. Sie saß aufgrund des Erdbebens noch in Santiago fest, wodurch wir uns erst heute Morgen getroffen haben. Die Señora ist schon ein bisschen älter und war vorher die Leiterin des Spracheninstituts. Wir hatten die Idee, Informationen für zukünftige Austauschstudenten in einer Website zu präsentieren, als Vorstufe des Cosmo Clubs. Nach diesem Projekt hat sie mich dann sogar direkt gefragt! Sie will, dass ich den Cosmopolitan Club Chile aufbaue! Und was das heißt, ist klar: Die Unterstützung der Universität gibt es. Sie bemüht sich sogar um Partner. Und wir haben schon erste Ideen, wie wir das Ganze angehen.

Weiterhin kümmert sie sich um einen Assistenten der EDV, der mir bei der Erstellung der Website helfen wird. Die Website wird alle möglichen Informationen enthalten, die die Studenten vor und während ihrer Zeit in Arica benötigen. Auf Englisch, Deutsch, Spanisch und Französisch. Und auch für die Übersetzungen in den Sprachen, die ich nicht beherrsche, hat sie schon Ideen, wer mir helfen wird.

Weiterhin will sie, dass ich den Studenten, die nach Deutschland gehen, Conversation hours gebe. Auch die Zusammenarbeit mit dem Zentrum der EU und dem American Corner hat sie angesprochen.

Ein Plätzchen zum Arbeiten wird mir auch hergerichtet, mit eigenem Laptop und ner eigenen E-Mail Adresse. Oh man, wenn alles das wirklich so wahr wird, platze ich irgendwann vor Glück!! Ich arbeite von 8.30 Uhr bis 13 Uhr im Büro und habe die Nachmittage frei, um entweder zu Hause (bzw. der Bibliothek) zu arbeiten, die Konversationsstunden vorzubereiten, vor Ort Recherche für die Website vorzunehmen und Zeit für Spanisch zu haben.

Hier in Arica verbringe ich die erste Woche auf Solo-Pfaden, denn Carlos musste nach Iquique zurück. Derweil treffe ich mich mit Nicklas, einem Dänen (der sofort begeistert war von der Idee des Cosmo und schon dabei ist :-)). Und schlecht ist es auch nicht, ein bisschen Zeit für mich zu haben, schließlich muss ich im April eine Hausarbeit in MW abliefern und meine Bachelorarbeit recherchiert sich auch nicht von alleine.

Mein Zimmer hier ist wirklich toll!! Klein, aber fein. Auch die Vermieter, ein altes Ehepaar, sind so süß. Als ich gestern die Miete bezahlen wollte, haben sie mich erst mal setzen lassen und dann haben wir fast eine Stunde gesprochen. Und ich erwähne, dass beide kein Englisch sprechen! Jetzt darf ich sogar gegen ein bisschen Entgelt deren Waschmaschine nutzen. Und da mein Zimmer im oberen Geschoss liegt, habe ich sogar eine kleine "Terasse" (wirklich mini, aber reicht zum Sitzen) mit ner Aussicht, um die mich alle beneiden :-)



Gestern habe ich auch den Spanischunterricht begonnen. Der ist wahnsinnig gut und ich bin mir sicher, dass meine Kenntnisse bald ausreichen, um mich ordentlich zu unterhalten.

Nach diesem schrecklichen Wochenende bin ich einfach nur so wahnsinnig froh, dass alles gerade so läuft, wie es läuft! Ich bin mir zwar sicher, dass ich irgendwann auf Steine auf meinen Wegen treffe, aber im Moment sprudel ich nur über vor Ideen und damit werde ich mit denen Steinen schon umgehen können. Also: Macht euch keine Sorgen um mich, hier im letzten Land der Welt. Mit meinem Lachen werde ich eh alle verstrahlen ;-)

Nos vemos,
Maria