Montag, 21. Juni 2010

Es geht weiter

Nun bin ich schon wieder fast zwei Wochen da und hab fast genauso lange nicht von mir hören lassen. Jedenfalls hier auf dem Blog – einige Nasen durfte ich ja schon wieder begrüßen :-)

Wahrscheinlich hat manch einer diesen Blog schon tot geglaubt, aber keine Sorge – nur weil ich nicht mehr in Chile bin, heißt es ja nicht, dass die Abenteuer zu Ende sind. Das nächste hieße da zum Beispiel "Bachelorarbeit", aber nein, keine Angst, darüber werde ich sicher nicht ausführlich berichten :-) Nur dass das Thema Internationales Hochschulmarketing mich jetzt bis August begleiten wird und ich das sogar sehr toll finde! Es geht nämlich auch um eines meiner liebsten Themen: Cosmo Club :D Dann dürfte es wohl auch kein Wunder sein, dass ich gern über den Kapiteln brüte, vor allem, wenn ich für den Praxisteil mit ehemaligen Austauschstudenten skypen "muss".

Das Stichwort ist ja auch schon gefallen: Cosmo Club, darum geht’s hier ja schließlich. Am letzten Freitag vor meiner Abreise fand endlich das heißersehnte erste Teamtreffen statt! Juppi!! Es war echt richtig cool, obwohl sich nicht alle kannten, war die Stimmung ziemlich lustig. Meinen Spaß hatte ich jedenfalls und Spanisch war auch kein Problem. Es gab ziemlich gute Vorschläge für die Website und interessante Fragen, als wir den Workshop für die Tutoren gemacht haben. Die Truppe fetzt :-) Muss ich sagen, dass es mir nach diesem Nachmittag noch ein bisschen schwerer viel, Good-Bye zu sagen? Leute, was hab ich geflennt, auf meinem vorerst letzten Heimweg von der Uni. Zum Glück war es dunkel :-/


Am Samstag haben wir Abschiedsgrillen am Fluss gemacht, wo wir uns einfach nur gnaaaadenlos überfuttert haben, weil’s manche Chilenen nicht so mit Kalkulieren von Portionen haben und nicht auf Leute hören, die es unter Umständen besser wissen könnten :D Naja… No comment, das Fleisch hat Sonntag auch noch geschmeckt. Und der Nachmittag war einfach nur... Toll? Wunderschön?? Großartig??? Unvergesslich???? Wir haben so viel gesungen, Spaß gehabt, gequatscht und es genossen...


Jedenfalls waren wir so voll und müde, dass wir unsere ursprüngliche Abendplanung dämlicherweise über den Haufen geworfen haben. Unser Plan war eigentlich zum Karaoke zu gehen, aber weil nicht nur ich, sondern auch alle andern, so kaputt waren, habe ich beschlossen einfach zu Hause was zu trinken. Bitte keine Kommentare über diesen Unfug, ich bereu es durchaus, keine Sorge. War aber auch hundemüde, bin auf meinem Stuhl eingeschlafen… Ich sollte mich mal auf die Schlafkrankheit untersuchen lassen (ohne Mist, die gibt es wirklich, wie ich erfahren habe).

Der Abschied, das muss ich wahrscheinlich eigentlich nicht erwähnen, war verdammt tränenreich. Vier Monate, die so dermaßen anders als das Leben hier waren, können ja nicht ohne Emotionen zu Ende gehen. Aber für was hat man schließlich Erinnerungen :-) Da ich in der Nacht vorher nicht geschlafen habe, war ich im Flugzeug wahrscheinlich durchaus ein Erlebnis. Durch mein verheultes Gesicht und meine permanenten Heulanfälle hat mich meine Sitznachbarin angesprochen, was passiert sei und als ich es erklärt hatte, bin ich Dauerschlaf gefallen, der nur dadurch unterbrochen wurde, dass Essen auf meinen Tisch gestellt wurde. Das habe ich nur in die Sitztasche gequetscht und bin wieder eingeschlafen (wer chilenische Kekse kosten möchte, die habe ich noch! Die Flüge bestanden irgendwie vollends aus Essen!!). Ich weiß nicht, was meine Sitznachbarn sich gedacht haben :D

Wieder angekommen, ist natürlich auch der Sommer mit mir hier. Sehr gnädig, nur fand ich es schon wieder zuuu warm. Ich geb mich durchaus mit 23 Grad zufrieden, mehr muss nicht. An dieses ganze Grün, das lange hell sein und dieses ständig wechselnde Wetter muss ich mich wirklich erst wieder gewöhnen. Und oh Gott, an das Essen erst… Mensaessen ist so dermaßen ein Strafe nach Chile… (Hoffentlich liest hier nie mal ein Mensamitarbeiter…) Die Kilo, die ich in Chile gelassen habe, sind damit sicher bald wieder drauf.

Und folgendes Foto dürfte auch eindeutig sein:


(Die BA tut ihr übriges dazu – als Nervenfutter ist eine Tüte davon gefälligst zu entschuldigen :D) Drei Mal Döner in der ersten Woche ist übrigens auch zu verbuchen, Kindergröße aber, und die schaff ich auch nicht mehr.

Ach so, meinen Schrecken über die Obstpreise muss ich nicht erwähnen, der war zu erwarten oder? Ich habe lächerliche VIER EURO für ein Kilo kernlose rote Weintrauben (aus Chile natürlich, ein bisschen fremd-patriotisch muss man ja auch sein, die aus Ägypten kommen mir nicht zwischen die Kauleisten) bezahlt. In Santiago habe ich drei Kilo für 70 Cent bekommen… Jaaa, ich weiß, ich bin nun halt nicht mehr da, aber darf ich mich trotzdem aufregen?? Lächerlich… Und der schlechte Euro macht es ja nicht besser. Und in Arica gibt’s schon gar keine mehr, durfte ich erfahren – fühlen wir uns also glücklich.

Wie gesagt, meine BA hilft schon gut über die Runden, wenn es darum geht, mich wieder einzugewöhnen. Und Cosmo Mittweida auch! Ich habe mich ja relativ schnell wieder in MW eingefunden, da der letzte Cosmo-Abend stattfand und ach, es war soooo toll, wieder "zu Hause" zu sein.


An meinem ersten Tag habe ich übrigens gnadenlos verschlafen… 13.34 Uhr bin ich aufgewacht, in Chile bin ich um diese Zeit, also 7.30 Uhr, immer aufgestanden – Jetlag lässt grüßen. Nachts konnte ich dafür dann nicht schlafen. Ja, ich geb’s auch zu, die zweite Zeitzone meiner Uhr läuft sechs Stunden hinter Deutschland…

So die Zeit und die Länge rufen zum Schließen. Diesen Eintrag möchte ich aber auch dazu nutzen, um nochmals zu sagen: Es geht weiter! Mit diesem Blog, mit Cosmo und mit Chile. Mehr dazu nächstes Mal, was hoffentlich im Laufe nächster Woche sein wird (hab ja jetzt Zeit, schreib ja "nur" Bachelorarbeit :D

Nos vemos,
die Maria, zurück vom nächsten großartigen Abenteuer

Montag, 7. Juni 2010

Chile, TE AMO

Das wären sie dann - meine letzten Stunden in Chile. Es ist morgens 2 Uhr und grad hab ich noch einen Augenblick, um mein kleines Liebesgeständnis zu veröffentlichen, das mir seit ein paar Tagen durch den Kopf geht.

Vier Monate im höchstentwickelten Land Südamerikas, vier Monate in der Sonne ... Ich werde dieses Flecken Erde so furchtbar vermissen, mir kullern schon fast wieder die Tränen... Aber JA, ich freue mich auch, wieder zu kommen, keine Sorge. Denn natürlich gibt es in einem anderen Land nicht immer nur Sachen, die man großartig findet...


Liebes Chile, danke für all diese Sachen, die ich so vermissen werde:

-Die Neugier der Leute Ausländern gegenüber. Ständig wird man angesprochen, wo man herkommt, wie lange man schon hier ist und was hier macht. Ich hab das Gefühl, dass die meisten Deutschen Ausländer eher meiden und ein bisschen Angst haben in Kontakt mit ihnen zu kommen. Die vielen Gespräche werde ich wirklich ein bisschen vermissen, ich hab sie wirklich immer genossen. Vor allem, wenn einen kleine Kulleraugen fragen, warum man keine braune Augen habe oder kleine Jungs einen ohne Hallo salopp von der Seite ansprechen, aus welchem Land man komme und dann aus dem Staunen nicht mehr rauskommen, dass man 24 Stunden reist bis dorthin... So süß!!!

-Deine wahnsinnig atemberaubende Natur. Ohne Worte!!!

-Die Fähigkeit für den Moment zu leben und sich heute nicht die Kopfschmerzen von morgen zu machen. Das ist bis zu einem gewissen Grad verdammt entspannend und wirklich etwas, worüber ich froh bin, mir das ein bisschen angeeignet zu haben. Nur übertreiben mit dem Sich-keine-Gedanken-machen sollte man dann auch nicht... ;-)

Irgendwie hat es auch durchaus was, das benutzte Toilettenpapier zusammen gefaltet in den Mülleimer zu werfen, anstatt es einfach fallen zu lassen. Aber ob ich das sooooo vermissen werde...? ;-)

Nun,was ich wirlich NICHT missen werde...

-An erster Stelle ganz sicher: Sich nicht auf den Boden unter den Füßen verlassen können. Wirklich, dafür liebe ich Deutschland. Zu wissen, dass es nicht jeden Moment anfangen könnte, zu wackeln, sondern einen sicheren Untergrund zu haben, zu jeder Tages- und Nachtzeit.

-Das furchtbare Hundegebell höre ich zwar fast gar nicht mehr, aber ganz ohne lebt es sich auch nett. Gleiches gilt für die ständigen Alarme der Autos, bei denen man sich nur ständig fragen kann, aus welchem Grund die eigentlich anspringen wenn sie nicht mal mit dem kleinen Finger angerührt wurden...

Nun, kurz und gut meine Gedanken über dieses letzte Land der Erde. Ich hoffe, ich bin ganzbald zurück!! Dienstagmittag habe ich wieder deutschen Boden unter den Füßen.

Wir sehen uns alsbald.

Die Cosmo-Tante, die mal wieder eines ihrer größten Abenteuer erleben durfte.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Capoeira

Ich würde es beschreiben als „Mein Körper lernt endlich wieder was ne Harke ist“. Seit zwei Wochen gehe ich zum Capoeira, etwas (wie einige vielleicht noch wissen) eine meiner Wünsche für Chile war! Vor zwei Wochen bin ich endlich gegangen, nachdem ich Gonzalo (Cosmopolitano) kennen gelernt habe, der schon fast zwei Jahre diesen Sport macht.

Für alle, die sich fragen, von was ich rede, hier ein Video

Dieses Video scheint nicht umsonst „Das beste Capoeira Video überhaupt“ zu heißen, denn ich finde es ziemlich passend, um kurz zu zeigen, was ich schon wieder anstelle down here in Chile. Zu Beginn das Instrument namens Berimbau, das alle Lieder durchzieht, dann die einfacheren Bewegungen, die ich auch schon gelernt habe, und zum Schluss den Kampf, den ich in der Roda auch schon live bewundert habe.

Für alle, die nach „fundiertem Wissen“ gieren: Capoeira in Wikipedia

Ich kann nur sagen, dass sich die Schmerzen wirklich lohnen. Capoeira macht verdammt viel Spaß, für mich eine Mischung zum Abschalten, Koordination trainieren und Körper fit halten. Und Koordination ist so eine Sache... Sieht alles ganz einfach aus beim Zuschauen, aber wie erwartet sieht das dann alles aus, sobald man nur einen Fuß setzen will...

Schmerzen, das kann ich euch sagen, die habe ich ganz furchtbar. Nach dem ersten Mal (dienstags) hatte ich Muskelkater bis Freitag. Drei Mal pro Woche ist das Training. Letzte Woche war ich komplett, in der ersten Woche wegen Iquique nur Dienstag. Letzten Samstag bin ich wirklich fast vergangen vor Schmerzen während des Trainings. Wie das Video zeigt, wird wirklich der gesamte Körper beansprucht und für so ein kleines chilenisches Faultier wie mich schlägt das Training dann natürlich doppelt zu Buche.

Aber die Bewegungen machen wirklich süchtig und die Leute sind alle ganz lieb zu mir blutigen Anfängerin, die dazu auch noch nicht alles versteht, was die Übungsleiter sagen. Hier kann ich übrigens anmerken, dass sich Capoeira eher gar nicht gelohnt hätte, denn dann hätte ich null verstanden.

In diesem Sinne genieße ich das letzte Mal heute ausgiebig, wer weiß, wann ich mich wieder den Schmerzen aussetzen kann :-)